Kreditvergabe
Mittelständler klopfen bei Genossenschaftsbanken an

Viele Banken haben ihre Kreditvergabe im Zuge der Krise eingeschränkt. Für die Genossenschaftsbanken gilt dies nicht – im Gegenteil. Sie haben das Volumen ihrer Firmenkundenkredite in den vergangenen Monaten sogar ausgeweitet – und können derzeit neue Kunden gewinnen.

FRANKFURT. „Die deutschen Genossenschaftsbanken wirken in der Finanzmarktkrise stabilisierend und stehen den Unternehmen und Gewerbekunden als Finanziers verstärkt mit Kreditangeboten beiseite“, sagt Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Das kommt insbesondere kleinen und mittelgroßen Firmen zugute, der Hauptklientel des Bankensektors. Der Finanzverbund verzeichne schon seit längerem einen spürbar erhöhten Zuspruch der Unternehmen – und diese Entwicklung sei nachhaltig. So konnten die Volks- und Raiffeisenbanken ihr Kreditgeschäft bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent auf 166 Mrd. Euro steigern.

In diesen Zahlen sind laut Martin sowohl Neukunden sowie die Ausweitung der Kreditvergabe an Bestandskunden enthalten. Vergleicht man das Kreditvolumen mit dem Stand Ende 2008, so haben neben den Genossenschaftsbanken nur die Sparkassen ihr Kreditvolumen für Unternehmen und Selbstständige ausgeweitet. Großbanken, Auslandsbanken und Landesbanken fuhren die Darlehensvergabe dagegen zurück, zeigen Bundesbankdaten.

Dieses Kreditengagement sorgt für neue Chancen. Im Firmenkundengeschäft „öffnet sich gegenwärtig manch interessante Tür, die uns bislang verschlossen geblieben ist“, sagte jüngst Werner Böhnke, Chef der genossenschaftlichen WGZ Bank. Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine.

„Wir stellen fest, dass wir in stärkerem Umfang Kreditgeschäft machen können“, sagt Erwin Deuser, Vorstand der Wiesbadener Volksbank. Unter den Anfragen befänden sich auch sehr attraktive Firmenkunden. „Bei einigen von ihnen geht es darum, sich weitere Bankpartner zu erschließen“, berichtet Deuser. Die Volksbank profitiert damit – so wie eine Reihe von Genossenschaftsbanken – von den Folgen der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank.

Der Hintergrund: Manche Unternehmen waren bei beiden Banken Kunden und besaßen dort Kreditlinien. Bei einer Fusion werden die Kreditlinien beider Banken in der Regel nicht aufsummiert, sondern insgesamt gekürzt. Auch das motiviert viele Kunden von Commerzbank und Dresdner Bank, sich nach anderen Instituten umzusehen, wie einige Genossenschaftsbanken berichten.

Auch die Berliner Volksbank spürt den Fusions-Effekt. Viele Unternehmen in der Region hätten gerne Konten bei verschiedenen Banken, berichtet Johannes Altenwerth, Vorstand der Berliner Volksbank. Auch er zeigt sich zufrieden mit dem Firmenkundengeschäft. „Wir werden häufiger von Firmenkunden angesprochen, auch wenn schon wieder eine gewisse Konkurrenz unter den Banken zu spüren ist“, sagt Altenwerth.

Das bedeutet nicht, dass den Genossenschaftsbanken das Geschäft überall von alleine zufliegt. „Wir führen nach wie vor heiße Debatten mit den Kunden über Margen“, sagt etwa der Vorstandschef der Volksbank Münster, Rolf Domikowsky. Doch insgesamt berichten viele, sie erhielten nun Termine bei potenziellen Firmenkunden, von denen sie bislang ignoriert worden seien.

Noch in einem anderen Punkt verzeichnen die Genossenschaften einen stärkeren Zuspruch von Firmenkunden. Auch die Einlagen der Unternehmen wachsen, betont BVR-Vorstand Martin. Diese legten bis Ende Juni 2009 im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 104 Mrd. Euro zu. „Damit liegen die Kreditgenossenschaften sowohl im Kredit- wie im Einlagengeschäft mit den Firmenkunden über dem Marktwachstum.“ Das bestätigt auch die Berliner Volksbank. „Wir spüren, dass auch das Vertrauen der Firmenkunden im Zuge der Finanzkrise zugenommen hat. Das bemerken wir auf der Kredit- wie auf der Einlagenseite“, sagt Altenwerth.

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