Kreditvergabe: Mittelstand im Test

Kreditvergabe
Mittelstand im Test

Die deutschen Sparkassen wollen Maßstäbe bei der Bewertung mittelständischer Unternehmen setzen. Das bestehende Ratingverfahren soll daher durch ein so genanntes Stärken-Potenzial-Profil ergänzt werden, um die Transparenz bei der Kreditvergabe weiter zu erhöhen. Das kündigte Bernd Fieseler, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) an. Das System steht kurz vor der bundesweiten Einführung.

FRANKFURT / BERLIN. Das System steht kurz vor der bundesweiten Einführung. Mit Hilfe eines so genannten Tachometers wird die aktuelle Verfassung des Unternehmens auf einer Skala aufgezeigt und mit Empfehlungen versehen. Im Rating-Tachometer sind jeweils die besten und die schlechtesten Werte anderer Unternehmen des jeweiligen Sektors aufgeführt.

Zwar sind die neuen Eigenkapitalrichtlinien nach Basel II offiziell erst seit vergangenem Monat in Kraft. Doch im Vorgriff mussten sich mittelständische Unternehmen bereits seit geraumer Zeit einem Rating unterziehen. Mit den neuen Richtlinien nach Basel II haben die Banken die Möglichkeit, ihre Kredite risikoorientiert zu vergeben. Dabei gilt: Je höher das Kreditausfallrisiko, desto mehr Eigenkapital muss die Bank aufwenden, um den Kredit zu unterlegen. Bezogen auf den Kreditnehmer heißt das: Je höher die Bonität des Unternehmens, desto geringer fallen die Kreditkosten aus.

Was für große Unternehmen selbstverständlich ist, nämlich sich von ihrer Bank durchleuchten zu lassen, ist für den Mittelstand immer noch gewöhnungsbedürftig. Auch sind die Konsequenzen eines Ratings nicht immer klar. „Aus unserer Sicht reicht es nicht aus, dem Kunden eine Rating-Note mitzuteilen“, sagt Fieseler. Die Sparkassen wollen vielmehr dazu übergehen, die bereits erfassten Rating-Kennzahlen der Unternehmen so aufzubereiten, dass der jeweilige Mittelständler anschaulich nachvollziehen kann, wo er mit seinem Betrieb bundesweit in der Branche angesiedelt sei. „Wir denken, dass die ausführliche Situationsbeschreibung und die Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten im Stärken-Potenzial-Profil für den Kunden viel aussagekräftiger und hilfreicher sind als eine einzelne Note“, urteilt Fieseler.

Für den Vergleich eines Unternehmens mit der Branche kann die Sparkassen-Finanzgruppe auf ein umfangreiches Datenmaterial zurückgreifen. Als wichtigster Finanzier des Mittelstands hat der DSGV Zugriff auf 1,6 Mill. Unternehmensratings.

Bei der Kostenfrage hält sich der DSGV zurück. Die Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH empfiehlt, den Unternehmen für ein ausführliches Stärken-Potenzial-Profil zwischen 100 Euro und 500 Euro in Rechnung zu stellen. Unabhängige Unternehmensberater würden für eine derartige Analyse vier- bis fünfstellige Beträge verlangen, so die Sparkassenorganisation. Allerdings würden die Sparkassen in eigener Regie entscheiden, ob und wenn in welcher Höhe Kosten berechnet werden. Die Finanzaufsicht prüft derzeit, ob das Rating-System mit den neuen Regeln konform ist.

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