Kreditversorgung der Unternehmen
Kreditgeschäft lässt nach

Das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen und Selbständigen in Deutschland kühlt sich deutlich ab. Insgesamt war die Kreditversorgung der Unternehmen jedoch auch im zweiten Quartal gut. Laut Experten hätten sich viele Unternehmen angesichts der schlechten Konjunkturlage vorsorglich mit Krediten eingedeckt.

FRANKFURT. Wie aus dem exklusiv von der Förderbank KfW für das Handelsblatt erstellten Kreditmarktausblick hervorgeht, verringerte sich die Zuwachsrate des Kreditneugeschäfts im zweiten Quartal um 6,5 Prozentpunkte auf 16,5 Prozent. Für das dritte Quartal prognostiziert die Förderbank nur noch ein Wachstum von rund zehn Prozent, für das vierte Quartal nur noch rund fünf Prozent.

Während das ausstehende Kreditvolumen, für das amtliche Statistiken vorliegen, im Juli um eine Rekordrate von 11,6 Prozent gestiegen ist, zeigen die KfW-Berechnungen bereits Zeichen einer Abschwächung des Geschäfts. Das liegt daran, dass in der amtlichen Statistik Kredittilgungen, die den Bestand mindern, nicht gesondert erfasst werden. Somit ist nicht ersichtlich, ob eine hohe Zuwachsrate des Bestandes auf geringere Tilgungen oder ein höheres Neugeschäft zurückgeht. Die KfW-Experten Tobias Rehbock und Stephanie Schoenwald schätzen anhand der Fristenstruktur der Kredite das Tilgungsvolumen und können so Schlüsse auf die Entwicklung des Neugeschäfts ziehen.

„Die Kreditversorgung der Unternehmen insgesamt in Deutschland war auch im 2. Quartal gut“, stellt KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch fest. Die im historischen Vergleich immer noch sehr hohe Zuwachsrate im zweiten Quartal erklären die Experten der KfW vor allem mit Sondereffekten, die mit der Kreditkrise zu tun haben. So sei im zweiten Quartal des Vorjahres der Verbriefungsmarkt für Kredite noch offen gewesen. Der Teil der Kredite, die verbrieft wurden, verschwand aus der Statistik. Das war im zweiten Quartal 2008 nicht mehr der Fall. Außerdem vermuten die Experten, dass die Unternehmen sich aufgrund der Unsicherheit an den Finanzmärkten und der unsicheren konjunkturellen Situation vorsorglich mit Krediten eindeckten. Aber auch die Investitionsfinanzierung trug zu dem noch kräftigen Wachstum des Kreditneugeschäfts bei. Die KfW-Volkswirte weisen darauf hin, dass die Wachstumsrate der Investitionen im zweiten Quartal noch ähnlich hoch gewesen sei, wie im ersten Quartal.

Als Hauptgrund für eine sich abschwächende Dynamik der Kreditvergabe identifizieren die Experten „verstärkt rezessive konjunkturelle Einflüsse", die sich auf dem Markt für Unternehmenskredite zunehmend bemerkbar machen dürften. Sie rechnen für den Rest des Jahres mit einem deutlichen Rückgang der Investitionstätigkeit. Mit der schlechteren Wirtschaftslage könnten ihrer Ansicht nach auch weitere Verschärfungen der Kreditstandards einher gehen auch wenn die Kreditinstitute dies besonders für kleinere Unternehmen aktuell nicht planten. „Aber die zunehmenden konjunkturellen Risiken könnten diese Erwartung kippen lassen“, befürchten die KfW-Volkswirte.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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