Kreditversorgung
Kreditklemme – ja oder nein?

Kaum ein wirtschaftspolitisches Thema ist derzeit so umstritten wie die Frage, wie es um die Kreditversorgung der Wirtschaft bestellt ist. Die Beteiligten kommen, je nach Standpunkt, zu unterschiedlichen Befunden. Doch sicher ist: Die Anforderungen an Unternehmen, die einen Kredit beantragen, sind deutlich schärfer geworden.

FRANKFURT. Die Kreditversorgung der Wirtschaft ist derzeit ein hochsensibles politisches Thema. Entsprechend schwierig ist es, ein zutreffendes Bild von der Lage zu erhalten. Regierung und Bundesbank sind qua Amt eher bestrebt, Probleme kleiner darzustellen - die Banken sowieso. Einige Unternehmen und ihre Verbände hingegen sehen gern schwarz.

"Liquiditätsengpässe, aber keine flächendeckende Kreditklemme", beschrieb Anfang Mai Wirtschaftsminister zu Guttenberg die Lage. Die CSU in ihrer Eigenschaft als halbe Oppositionspartei hatte dagegen schon einen Monat vorher eine "deutlich zugespitzte Finanzierungssituation vieler Betriebe in Deutschland" festgestellt und gefordert, staatlich gestützte Banken zu einer ausreichenden Kreditversorgung des Mittelstands zu zwingen.

Es gibt einige Argumente, auf die die CSU sich bei diesem Urteil berufen kann. So haben die Banken bei der regelmäßigen Umfrage der Bundesbank angegeben, dass eine große Mehrheit von ihnen im ersten Quartal erneut die Kriterien, die sie bei der Kreditentscheidung anlegt, deutlich verschärft hat. Außerdem müssen Kreditnehmer mehr Sicherheiten bieten als früher und können eher in der Höhe ihres Kredits beschränkt werden.

Auch eine im April veröffentlichte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) kam zu dem Ergebnis, dass "die Finanzierungssituation vieler Unternehmen angespannter denn je" ist. Die Anforderungen an Sicherheiten, Dokumentationspflichten sowie Risikoaufschläge sind danach seit November deutlich gestiegen. Gut ein Fünftel der Unternehmen berichte trotz kräftig gesunkener Leitzinsen von verschlechterten Kreditkonditionen.

Und auch im Konjunkturtest April des Ifo-Instituts in München beurteilen zwei von fünf befragten Unternehmen die Kreditvergabepraxis als restriktiv. Das sind deutlich mehr als im vergangenen Jahr, wenn auch weniger als zum Höhepunkt der letzten Restriktionsphase 2004, als der entsprechende Anteil 60 Prozent erreichte.

Ganz anders liest sich die Schlussfolgerung des Gfk-Finanzmarktinstituts. "Wenige Unternehmen von der Kreditklemme betroffen" titelt das Institut im April und belegt dies damit, dass nur sechs Prozent der Firmen beklagten, dass die Finanzinstitute die Geldvergabe gekürzt, laufende Finanzierungen gekündigt und die Kreditvergabe eingeschränkt haben. "Damit macht sich die befürchtete Kreditklemme bislang kaum auf dem Markt bemerkbar" lautet das Resümee.

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