Kriminelle Mitarbeiter
Mittelständler im Visier der Kriminellen

Zu viel Vertrauen, zu wenig Kontrolle - immer häufiger werden Mittelständler Opfer krimineller Machenschaften. Häufig sind es interne Mitarbeiter, die das Vertrauen der Unternehmen ausnutzen. Die Täter fliegen selten auf - es mangelt an speziellen Abteilungen, die darauf spezialisiert sind, Täter in den eigenen Reihen aufzuspüren.

FRANKFURT. Mal ist es die Kassiererin, die nicht so genau hinguckt, was im Einkaufswagen liegt, und sich die Beute nachher mit den Dieben teilt. Mal ist es der Kundenberater des kleinen Finanzdienstleisters, der die Gelder seiner Klienten auf eigenen Konten parkt, statt sie anzulegen: Immer öfter werden vor allem Mittelständler Opfer krimineller Mitarbeiter. Besonders oft betroffen sind Einzelhändler und Dienstleister. Die höchsten Schäden verzeichnen kleine Banken, Vermögensverwalter und Versicherer mit 843 000 Euro im Schnitt, gefolgt von Werbeagenturen und Medien mit 213 000 Euro im Schnitt.

Die ist das Ergebnis der jüngsten Studie der Euler Hermes Kreditversicherung. Danach wurde jedes dritte Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Wirtschaftskriminellen. Bei der Hälfte der Betroffenen langten die Täter gleich mehrmals zu, im Durchschnitt viermal.

Besonders gefährdet: Mittelständler mit einem Umsatz zwischen einer und zehn Millionen Euro. Auf sie entfiel fast die Hälfte des Gesamtschadens von vier Milliarden Euro. Der Grund: zu wenig Kontrolle, zu viel Vertrauen. "Ich kenne doch meine Leute", hieße es oft gerade bei inhabergeführten Unternehmen, beschreibt ein Ermittler. Aber genau die kennen das Unter-nehmen, wissen um die Schwachstellen und die Defizite. In fast drei Viertel der Fälle sind es laut Hermes-Studie einfachen Angestellte und Fachkräfte, die sich auf Firmenkosten bereichern.

Rund 42 000 Euro Miese mussten betroffene Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt abschreiben, weil Mitarbeiter in die Kasse langten, Geld unterschlugen oder Scheinrechnungen ausstellten. Waren angestellte Geschäftsführer oder Prokuristen beteiligt, belief sich der durchschnittliche Schaden sogar auf 68 000 Euro.

"Vor allem Scheinrechnungen kommen relativ häufig vor", weiß Hartmut Köhler, Leiter des Abteilung Vertrauensschadenversicherungen bei Euler Hermes. Mit ihnen lässt sich am unauffälligsten Kasse machen. Das System funktioniert über Kumpel und Cash: Da lässt die Firma beispielsweise Wände streichen, neue Teppiche legen, den Vorgarten richten oder eine neue Lagerhalle bauen und der zuständige Mitarbeiter vergibt den Auftrag an den Kumpel aus dem Schützenverein - gegen Kickback. Dann bei der Rechnung darf?s auch mal ein bisschen mehr sein als das, was die die Leistung eigentlich wert war. Den Profit teilen sich der Kumpel und der Kollege aus der Firma.

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