Kritik an Förderpolitik
Sparkassenchef sieht Verteuerung der Mittelstandskredite

Der baden-württembergische Sparkassenpräsident Heinrich Haasis hat vor einer Verteuerung der Kredite an kleine und mittlere Unternehmen gewarnt. In der Mittelstandsfinanzierung liefen die Kreditkonditionen nochmals weiter auseinander.

pk/pot FRANKFURT. Grund hierfür seien die neuen Eigenkapitalvorschriften für die Banken unter dem Stichwort "Basel II" sowie die daraus abgeleiteten Ratingklassen für die Unternehmen. Basel II fordert eine stärkere Bepreisung der Risiken. Für Großkonzerne könne dies zu besseren Konditionen führen, das Gros der Firmen müsse dagegen mit Nachteilen rechnen.

"Vielen im Handel und bei den Dienstleistern geht es dagegen noch schlechter, in manchen Städten sind Metzger und Bäcker sowie Einzelhändler rar geworden, da entsteht eine gewisse Verödung in den Innenstädten. Für mich ist es keine Frage, dass die Rating-Systeme - die ja bei den Volksbanken und uns ähnlich sind - zu Verteuerungen in der Kreditversorgung der kleinen und mittleren Unternehmen führen können", sagte Haasis im Gespräch mit dem Handelsblatt. Skeptisch äußerte sich Haasis auch zu den neuen Konditionen in der Förderpolitik der staatlichen KfW Bankengruppe. Die Auffächerung der KfW-Förderkredite sei zwar ein Fortschritt, wesentliche Wachstumsimpulse seien daraus aber nicht zu erwarten.

"Meine Kritik ist: die KfW macht mit ihrer neuen Förderpolitik die Schwachen noch schwächer. Die gesamte Förderpolitik in Deutschland krankt an zu vielen Einzelprogrammen, das ist alles unübersichtlich geworden.“ Seit dem 1. April gelten auch bei den Förderkrediten an der Bonität orinetierte Zinsen, bis dahin hatte die KfW einen Einheitszins festgesetzt. Die Kreditinstitute vor Ort hatten immer weniger Darelehen an die Unternehmen durchgeleitet, weil sie an der Kreditvergabe nach eigener Einschätzung zu wenig verdienen konnten.

Auf Bedenken im Mittelstand stößt offenbar auch die zunehmende Praxis vieler Banken, ihre Kredite an internationale Finanzinvestoren zun veräußern. „Mittelständische Eigentümerfamilien haben heute schon Ängste wegen der Kreditverkäufe. Sie fürchten, das Dritte oder Finanzinvestoren, mit denen sie bisher keinen Kontakt hatten, tiefe Einblicke in ihre Geschäftswelt erhalten", so die Beobachtungen von Haasis. In Baden-Württemberg blieben die Sparkassen deshalb aus geschäftspolitischen Gründen weiter Kreditgeber. Sie verkauften ihre Kredite nicht an ausländische Investoren. Etwas anderes sei beispielsweise ein Kreditpool der baden-württembergischen Sparkassen mit der Landesbank. Dabei bleibe die einzelne Sparkasse aber Kreditgeber gegenüber dem Unternehmen.

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