Kulturelle Hürden
Immer nur lächeln in Indonesien

Freundlichkeit ist oberstes Gebot in Indonesien. Aber wie funktioniert Business, ohne Tacheles zu reden?

JAKARTA. Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte. Aber was genau? Das fragen sich westliche Geschäftsleute in Indonesien oft. Denn das Lächeln, das den Bewohnern des Archipels scheinbar angeboren ist, lässt vielfältige Interpretationen zu. So kann der freundliche Gesichtsausdruck bedeuten, dass der westliche Gesprächspartner schlicht und ergreifend nicht verstanden wurde. Aber auch, dass etwas Grundlegendes schiefgelaufen ist. Gerade Letzteres sorgt bei Ausländern oft für erhebliche Irritation: Freudestrahlen bei Misserfolg?

Seinem Ärger über das „Verlegenheitslächeln“ mit einem Wutanfall Luft machen – besser nicht. Ein solcher Ausraster wird von Indonesiern als Gesichtsverlust gewertet. Und der bleibt ihnen lange negativ im Gedächtnis.

Um dauerhaft in Indonesien erfolgreich zu sein, ist Geduld gefragt. Obwohl viele Geschäfte mit der chinesischen Minderheit abgewickelt werden, lässt sich das Potenzial des Archipels langfristig oft nur mit den Javanern erschließen, die in der Regierung Schlüsselpositionen innehaben. Diese sind zwar außerordentlich freundlich, gelten aber als weniger entscheidungsfreudig. Deshalb: Viel Zeit für Verhandlungen einplanen, nie direkt mit der Tür ins Haus fallen und den Gesprächspartner keinesfalls frühzeitig unter Druck setzen.

Harmonie im Büro ist wichtig

Wer als Leiter einer Niederlassung in Indonesien tätig ist, sollte sich auch für familiäre Sorgen und Probleme der Mitarbeiter Zeit nehmen. Ein positives Klima im Büro zu schaffen, ist ebenfalls Aufgabe des Chefs. So ist es zum Beispiel üblich, die Mitarbeiter nach einer Reise mit Oleh-oleh, kleinen Mitbringseln, zu beschenken.

Die Mühe lohnt sich, denn Arbeitsproduktivität und Loyalität der Indonesier hängen stark von einer harmonischen Atmosphäre ab. Umgekehrt achten auch sie auf ein positives Arbeitsklima. Das hat manchmal Nachteile: So wird der ausländische Chef selten direkte Kritik hören. Die „Weltmeister der Konfliktvermeidung“ auf westliche Kommunikationsabläufe zu trimmen, dürfte aber zwecklos sein. Mit Freundlichkeit und einem Lächeln auf den Lippen erreicht man hingegen eine erste kulturelle Annäherung – und geschäftliche Erfolge.

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