Kunststoff-Branche
„Innovationen garantieren weiter gute Geschäfte“

In Automobilbranche und Bauindustrie könnte der Bedarf an Kunststoffen weiter steigen. Dirk Falke, Präsident des Arbeitskreises selbständiger Kunststoffingenieure und Berater, sieht noch kein Ende des Aufwärtstrends der Branche. Im Handelsblatt-Interview äußert er sich zu Branchen-Trends und Gefahren.

Handelsblatt: Der Umsatz der kunststoffverarbeitenden Industrie legt seit Jahren mit hohen Wachstumsraten zu. Tritt jetzt eine Kehrtwende ein, wenn die Wirtschaft einbricht?

Dirk Falke: Um fair zu sein, hatte ein Teil des Umsatzwachstums auch mit den steigenden Rohstoffpreisen zu tun. Trotzdem: Die Unternehmen schreiben seit Jahren gute Zahlen. Und ich sehe keine Kehrtwende. Die Branche kommt derzeit mit vielen Innovationen auf den Markt, die auch künftig wachsende Geschäfte garantieren werden.

Energie- und Rohstoffpreise waren in den vergangenen Jahren der größte Kostentreiber. Zuletzt ist der Rohölpreis stark gefallen. Was heißt das für die Branche?

Das ist die Frage. Es wäre schön, wenn wir geringere Rohstoffkosten auch in gleichem Maße an die Kunden weitergeben könnten. Leider ist das zu kurz gedacht. Es ist - vereinfacht gesagt - wie in der Mineralölbranche: Wenn der Rohölpreis sinkt, hat das nicht den gleichen Effekt auf die Spritpreise an der Tankstelle.

Warum nicht?

Die Unternehmen sind von wenigen großen Kunststoffherstellern abhängig. Gerade in Deutschland produzieren sie High-Tech-Produkte mit hochautomatisierten Prozessen. Dabei ist Qualität wesentlich. Die Eigenschaften der Kunststoffe müssen konstant sein. Wenn das nicht der Fall ist, gerät die ganze Produktion in Gefahr. Die Unternehmen können daher Lieferanten nicht einfach austauschen.

Wird das Auslandsgeschäft weiter so stark wachsen, wenn die US-Wirtschaft schwächelt und der sinkende Dollarkurs Exporte verteuert?

Die Bedeutung der USA für die deutsche Kunststoffindustrie wird oft überschätzt. Schwächezeichen aus Amerika haben oft vor allem eine psychologische Signalwirkung und schlagen sich gar nicht so sehr in Euro und Cent beim Umsatz nieder. Zudem haben die deutschen Unternehmen in den vergangenen Jahren neue Märkte erschlossen und ihre Abhängigkeit von den Abnehmern in den USA verringert. In Asien beispielsweise ist das Wachstumspotenzial weiter enorm.

In welchen Industriezweigen sehen Sie noch stärkeren Bedarf an Kunststoffen?

Deutsche Firmen sind mit ihrem Know-how in so gut wie allen High-Tech-Branchen gefragt. Nach wie vor sehe ich vor allem Bedarf in der Automobilindustrie. Der Vorfertigungsgrad ist dort bereits jetzt hoch, und die Unternehmen wollen die manuelle Arbeit weiter zurückdrängen. Neue Verfahren helfen ihnen dabei.

In der Bauindustrie ersetzen Kunststoffe immer häufiger andere Materialien. Welche Trends gibt es?

PVC beispielsweise wird immer häufiger durch Polypropylen ersetzt. In den vergangenen Jahren hat es dabei einen regelrechten Boom gegeben. Einige große Städte wie Berlin und München haben PVC in öffentlichen Bauten verboten. Der Grund ist der Brandschutz: Wenn brennendes PVC mit Löschwasser in Berührung kommt, entsteht nicht nur Rauch. Das enthaltene Chlor reagiert mit der Feuchtigkeit zu Salzsäure – und die zerfrisst dann sogar Beton. Selbst Gebäude, die nur einen kleinen Brandschaden erlitten haben, müssen dann abgerissen werden, weil die Träger nicht mehr stabil sind. Der Ersatz von PVC durch andere Materialien ist eine Konsequenz aus der Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen im Jahr 1996.

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