Kunststoffbranche
Zwischen Kostendruck und Marktmisere

Nach jahrelangen, hohen Zuwachsraten ist der Optimismus der Kunststoffbranche in diesem Jahr äußerst verhalten. Hohe Preise für Strom und Granulate drücken auf die Margen – und auch die Finanzkrise verdüstert die Aussichten der Plastikbranche.

KÖLN. Bei der Gaudlitz GmbH in Coburg ist Sparen angesagt: „Unser Spielraum wird enger“, sagt Oliver Schwarz, Geschäftsführer des Herstellers von Spritzguss-Teilen. „Wir haben die Personalkosten gesenkt, Fertigungsabläufe automatisiert und die Produktivität in Fertigung und Logistik gesteigert – weitere Potenziale zur Kosteneinsparung gibt es kaum mehr.“ Für dieses Jahr rechnet er, wie schon im vergangenen Jahr, mit sinkenden Erträgen, und sucht nach neuen Absatzchancen. Damit steht das fränkische Unternehmen nicht allein.

„Die Kunststoffbranche verzeichnete über Jahre hinweg große Zuwachsraten, doch dieses Jahr ist der Optimismus der Branche sehr verhalten“, sagt Reinhard Proske, Präsident des Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie. „Viele Hersteller sind verunsichert darüber, was da kommen mag vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise.“ Zwar stiegen auch im vergangenen Jahr die Umsätze der Branche wieder um ansehnliche 7,4 Prozent. Doch bei vielen Herstellern sanken die Erträge. Der wichtigste Grund waren steigende Rohstoffkosten.

Um bis zu 90 Prozent sind allein die Preise für Polyethylen seit Anfang 2004 in Europa gestiegen, meldet der europäische Branchenverband in Brüssel. Gleichzeitig haben die Strompreise mächtig angezogen, der zweite wichtige Kostenpunkt in der Bilanz der Plastikhersteller. Die Unsicherheit der Einkäufer nimmt zu, weil die Rohstofflieferanten nicht mehr bis zum nächsten Vertragsabschluss warten, um die Preise zu erhöhen. Aufschläge folgen mitunter im Monatstakt.

„Wir zahlen rund 20 Prozent mehr für Granulate als noch vor zwei Jahren“, sagt Gaudlitz-Geschäftsführer Schwarz. „Neuerdings gehen die Lieferanten von vornherein keine längeren Vertragsbindungen mehr ein.“

Die größten Abnehmer der Plastikbranche, Zulieferer und Hersteller in der Autoindustrie, sperren sich oft grundsätzlich dagegen, für die teureren Rohstoffe aufzukommen. Der Verband Technische Kunststoff-Produkte beklagte sich vor mehreren Wochen über „fragwürdige Praktiken“ in Verkaufsverhandlungen, bei denen mehrfach außerordentliche Preisnachlässe gefordert worden seien. „Wir vermissen die Partnerschaft in der Zulieferkette“, drückt es Verbandschef Wilhelm Crößmann diplomatisch aus.

Gleichzeitig ist die Branche innovativ wie nie. High-Tech Kunststoffe erobern die Automobilindustrie, die Medizintechnik und die Bauwirtschaft: Eisenbahnschwellen aus Polyurethan trotzen tonnenschweren Güterzügen, Kunststoff-Gehäuse setzen Motorblöcke auf Diät, innovative Kunststoffe verhindern die Blutgerinnung in Pumpen für die Blutreinigung, Bio-Polymere erleben ihre lang ersehnte Auferstehung, da Öl teuer geworden ist.

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