Kunststoffe mit Naturfasern
Immer mehr Holzmehl im Granulat

Die Idee ist so einfach wie genial: Warum nicht Holzmehl oder Naturfasern mit Kunststoffen mischen? Das Ergebnis sieht aus wie Holz – hält aber viel mehr aus. Naturfaser verstärkte Kunststoffe (NFK) haben in den vergangenen Jahren einen kleinen Boom erlebt. Eine Branche mit enormem Wachstumspotenzial.

KÖLN. „Sie fühlen sich an wie Holz und haben sogar klassischen Holzgeruch“, erklärt Rudolf Wessely, Vertriebsleiter der Technoplast Kunststofftechnik aus dem österreichischen Micheldorf, die Bootsanlegestellen in Venedig mit NFK wetterfest gemacht hat. „Sie sind aber deutlich langlebiger als Holz und müssen nicht zusätzlich behandelt werden.“

Zur Zeit erzielt Technoplast etwa zehn Prozent seines Umsatzes mit Werkzeugen für solche Verbundstoffe. „Tendenz steigend“, gibt sich Wessely optimistisch. Das österreichische Unternehmen geht davon aus, dass sich die europäische Produktion in der nächsten Dekade verzehnfacht.

Die BKG Bruckmann & Kreyenborg Granuliertechnik GmbH aus Münster setzt ebenfalls immer mehr Holz ein: Wenn sie Kunststoffgranulat mit Naturfasern mischen, verwenden sie schon zu zwei Dritteln Holzmehl. „Damit können wir die Rohstoffkosten beträchtlich senken“, sagt Geschäftsführer Ralf Simon. So drängen die Kunststofftechniker mit den Verbundmaterialien in Einsatzbereiche vor, die traditionell reinem Holz vorenthalten waren. Bei Terrassenbelägen halten die Holz-Kunststoff-Werkstoffe zur Zeit einen Anteil von sechs Prozent, der sich in den nächsten Jahren aber deutlich erhöhen dürfte. In der Möbelindustrie sollen die Verbundstoffe teure und seltene Tropenhölzer ersetzen.

Die Anfragen nach WPC-Anlagen mehren sich in letzter Zeit auch bei BKG, hauptsächlich für den Außenbereich wie Leisten, Zäune oder Rohre. „Der Absatz bewegt sich noch in einem kleinen Rahmen, aber wir sehen ein enormes Wachstumspotenzial“, sagt Geschäftsführer Simon. Für die Granulieranlagen von BKG sind die natürliche Werkstoffe kein Problem. „Holz oder auch Ölpalmfasern können wir mit geringfügigen Änderungen in unserem Standardsystem verarbeiten.“

Rudolf Wessely von Technoplast prüft bereits, ob NFKs nicht auch für Lärmschutzwände taugen. Durch ihre Struktur müssten sie Geräusche jedenfalls sehr gut absorbieren, glaubt der Experte.

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