Kunststoffverarbeitung
Playmobil in der Autoindustrie

Playmobil-Chef Horst Brandstätter hat für seine bekannten Spielfiguren die Kunststoffverarbeitung vorangetrieben. Das war Anfang der Siebziger Jahre. Inzwischen nutzt sogar die Autoindustrie seine Technik.

HAMBURG. Horst Brandstätter trägt Polohemd mit Sandalen, und berichtet begeistert von seinen Golfabenteuern in Florida, wo er das halbe Jahr über lebt. Ja, ja, das Geschäft laufe prächtig, versichert er, und es lasse sich auch aus der Entfernung gut steuern. Derweil verschickt er, wie jeden Tag, ein Fax, das Denkanstöße aber auch konkrete Anweisungen enthält. Empfängerin: Andrea Schauer, Geschäftsführerin Entwicklung, Marketing und Vertrieb bei Geobra Brandstätter im fränkischen Zirndorf. „Ich beaufsichtige meine Mitarbeiter nicht unmittelbar. Ich stachele sie lediglich ein wenig an“, sagt der „Hob“, wie sie ihn hier fast zärtlich nennen.

Brandstätter ist nicht der Patriarch, den man erwartet, die graue Eminenz in Schlips und Kragen, 73 Jahre alt und Chef eines Familienbetriebs in vierter Generation. „Ein Chef, der an seinem Schreibtisch klebt, ist kein guter Chef“, meint Brandstätter. Und so machte er sich vor 14 Jahren auf nach Amerika, wegen des Klimas, der Golfplätze und um den amerikanischen Markt zu sondieren, wo sich Playmobil nur langsam etabliert.

Der Hob ist unkonventionell. Oft entschied er sich für einen Weg, der auf den ersten Blick absurd erschien. „Ich mach nichts so, wie es alle machen. Ich mache es so, wie ich es für richtig halte“, sagt er fast schroff. Dass er sehr impulsiv sein kann, zeigt er in solchen spontanen Äußerungen. Mit einigen seiner Schachzüge hat er ein geradezu goldenes Händchen bewiesen.

Als er Mitte der Fünfziger Jahre - gerade einmal Anfang 20 und seit 1954 Teilhaber der Firma - seine beiden Onkel überzeugte, Spielzeug aus Kunststoff und nicht mehr aus den konventionellen Werkstoffen Metall und Holz zu bauen, schüttelte so mancher in der Branche den Kopf. Der Erfolg aber sprach für sich: Hula-Hoop-Reifen, große Traktoren zum Treten, und Schaukelpferde aus Plastik verkauften sich prächtig. Bis die Konkurrenz aufholte und der Preiswettbewerb zu stark wurde.

Anfang der Siebziger Jahre legte er mit der wohl mutigsten Entscheidung den Grundstein für seinen jetzigen Erfolg: Er beschloss, kleines Spielzeug aus Plastik herzustellen, weil Kunststoff angesichts der Ölkrise zu teuer geworden war, um es wie bisher in großen Mengen zu verarbeiten. Das Ergebnis der Arbeit seines Chef-Entwicklers Hans Beck war ein kleines Plastikmännchen, das 1974 auf den Markt kam. Dass Beck mit diesen unscheinbaren etwa 7,5 Zentimeter großen Figuren das Kult-Spielzeug schlechthin geschaffen hatte, war Hob damals noch nicht klar. Schließlich fiel die Entscheidung aus der Not heraus, weil etwas getan werden musste.

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