Länderchancen
Go West! Mit Benelux durch die Krise

Wohl dem, der sich in der Krise auf starke Handelspartner stützen kann – und das sind überraschenderweise die kleinen Beneluxländer. Sie bieten noch immer stattliche Geschäftspolster und ein innovatives Potenzial, um den notwendigen Wandel der Unternehmen zu beflügeln.
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KÖLN/DEN HAAG. Mehr als nur Durchhalten wollen die im Beneluxmarkt erfahrenen deutschen Unternehmen. „Wir wollen aus der Krise gestärkt hervorgehen“, sagt Managing Director Matthias Lanwehr von Bosch-Benelux in Brüssel. Unsere vermeintlich kleinen Nachbarländer Niederlande, Belgien und Luxemburg, die sich seit Jahrzehnten zur Wirtschaftsunion Benelux zusammengeschlossen haben, machen dies möglich. Sie sind in Wahrheit die Champions im deutschen Außenhandel. Keiner bietet mehr Geschäfte, nirgendwo kommen mehr deutsche kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) und Handwerksbetriebe zum Zuge.

Die aktuelle Krise hat Benelux mit nicht gekannter Wucht getroffen, sodass der bilaterale Außenhandel Anfang 2009 Rückgänge von 10 bis 25 Prozent in fast allen Branchen zu verkraften hat. Was jetzt zählt, ist die verbleibende Substanz, und die ist enorm. 2008 haben die deutschen Güterexporte nach Benelux 122,1 Milliarden Euro betragen, die Importe 115,1 Milliarden Euro – das bedeutete mit weitem Abstand den jeweiligen Spitzenplatz. Derart ausgestattet fällt das Durchhalten leichter, um die für 2009 prognostizierten Rückgänge des Wachstums in Deutschland und Benelux gemeinsam zu meistern. Hoffnung auf Besserung nährt, dass Analysten Mitte 2009 für Benelux eine aufgehellte Stimmung der Unternehmer und zunehmende Auftragseingänge vermelden.

Industriebranchen mit der größten Substanz in Benelux sind Chemie, Maschinenbau, Elektrotechnik sowie Kfz, allesamt auch deutsche Kernbranchen. Ausgerechnet hier waren die Einbrüche Anfang 2009 besonders drastisch, zugleich sind aber hier die Polster besonders hoch. Vorerst gilt, sich in Bescheidenheit zu üben und – wo nötig – zu reorganisieren. Zur Panik besteht jedenfalls kein Grund. So hat die deutsche Helm AG für die Chemiebranche das „Zurückgehen des Umsatzes letztlich als eine Rückkehr zur Normalität nach einer Boomphase“ bezeichnet. Ein stabiler Geschäftsverlauf kann in Benelux für Agrochemikalien, Düngemittel, Pharmawirkstoffe oder Nahrungsmittelzusätze auch 2009 erwartet werden. Das Wachstum bei Arzneimitteln ist nach wie vor ungebrochen.

Eine besondere Stärke in Benelux sind die dynamischen und innovativen Technologiebranchen. Hierbei handelt es sich um Material Science, Mechatronik, Kommunika-tion und die Biotechnologie. Auch wegen öffentlicher Förderprogramme können 2009 für alle sogenannten Effizienzaktivitäten wachsende Geschäfte erwartet werden, etwa für Energie-, Gebäude- oder Materialeffizienz. Die Sektoren Bau und Infrastruktur werden von den Konjunkturprogrammen ebenfalls profitieren. Deutsche KMU sind bereits gut vertreten, Raum für innovative Newcomer ist auch in der Krise vorhanden.

Die größten Potenziale bietet der Bereich Dienstleistungen, angeführt von Handel, Distribution und Marketing. Belgien und die Niederlande sind Logistikdrehscheiben von Weltgeltung. Aufträge zu deren Ausbau laufen weiter, wenn auch 2009 auf kleinerer Flamme. Die Akteure bereiten sich bereits auf den kommenden Aufschwung vor und verstehen es, die kleinste Brise im Welthandel aufzuspüren und zu nutzen.

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