Landmaschinenproduzent
Wenn aus Gülle Wasser wird

Als er das Unternehmen 2003 übernahm, hatte die Bauer-Gruppe bereits eine lange Durststrecke hinter sich. Doch den Unternehmer Otto Roiss ließen häufig wechselnde Eigentümer, Stagnation und fehlende unternehmerische Perspektiven nicht verzweifeln. Wie der steirische Landmaschinenproduzent Bauer seinen Umsatz in fünf Jahren verdoppelte.

WIEN. Von der Krise mag Otto Roiss nichts hören. Das betrifft andere, aber nicht sein Unternehmen, die Bauer-Gruppe. Wer wie er mit der Landwirtschaft zu tun hat, muss sich auch nur relativ wenig Sorgen machen. Gegessen wird immer. Der 48-jährige Unternehmer aus Voitsberg - einer Kleinstadt im Süden der Steiermark - ist ein unverbesserlicher Optimist. Dass die Wirtschaft um ihn herum mit massiven Problemen kämpft, stört ihn nicht. "Von der Krise will ich nichts hören", sagt er. Die Bauer-Gruppe werde weiter wachsen und weiter neue Mitarbeiter einstellen, erzählt der hemdsärmelige Unternehmer mit der direkten Art.

Dabei kennt Otto Roiss das Wort Krise sehr wohl. Als er die österreichische Bauer-Gruppe vor fünf Jahren übernahm, hatte das Unternehmen schon eine lange Durststrecke hinter sich. Häufig wechselnde Eigentümer, Stagnation, ja sogar ein Konkurs lag hinter der Firma aus dem kleinen Voitsberg mit seinen 10 000 Einwohnern. Unternehmerische Perspektiven gab es wenig. Die Bauer-Gruppe hatte viel zu lange ihre alten Produkte im Programm: Beregnungsanlagen und Maschinen für die Gülleaufbereitung - alles im Kern ziemlich unverändert seit der Unternehmensgründung in den 30er-Jahren.

Vor neun Jahren stieß Otto Roiss zur Bauer-Gruppe, zunächst als angestellter Geschäftsführer. Zuvor war er in der Papier- und der Metallverarbeitung. Mit dem damaligen Bauer-Eigentümer - einem Unternehmer aus Deutschland - wurde sich der geborene Salzburger jedoch nicht einig über die Unternehmensstrategie. Roiss überredete ihn daraufhin zum Verkauf - um über ein Management-Buy-out 2003 letztlich selbst die Führung der Gruppe in die Hand zu nehmen.

Seit er das Unternehmen führt, hat sich der Umsatz auf knapp 150 Millionen Euro verdoppelt. Weltweit arbeiten heute rund 500 Menschen für die Unternehmensgruppe. Roiss hat das verträumte Unternehmen in fünf Jahren komplett umgekrempelt: Vor seinem Einstieg beschränkte sich die Bauer-Gruppe auf zwei Produktfamilien: Gülle- und Beregnungsanlagen. Roiss hob die Grenzen zwischen beiden Sparten auf und machte so neue Produkte möglich. Die Gülleanlagen hat das Unternehmen so sehr verbessert, dass am Ende des Verarbeitungsprozesses Wasser herauskommt - was den Kreis zu den Beregnungsanlagen schließt. Neu im Produktportfolio der Bauer-Gruppe sind auch Biogasanlagen - Biogas ist ein weiteres Abfallprodukt der Gülleverarbeitung.

Auch im Marketing setzte Roiss an: Die Bauer-Gruppe bietet ihre verschiedenen Produkte inzwischen im Baukastensystem an. Ein Kleinbauer braucht vielleicht nur eine kleine Anlage für die Gülleaufbereitung, ein mittelgroßer Bauer kauft die Beregnungsanlage, und der industriell arbeitende Landwirt nimmt sich noch die Biogasanlage dazu - weil sich diese Art der Energieerzeugung erst mit 800 oder 1 000 Rindern rentiert. So kann sich jeder einzelne Landwirt das Produkt aus dem Bauer-Portfolio aussuchen, das zu seinem Betrieb passt und das er finanzieren kann.

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