Landwirtschaft
Bewässerung in der Türkei: Chance für neue Techniken

Etwa drei Viertel des in der Türkei verbrauchten Wassers werden in der Landwirtschaft eingesetzt, der überwiegende Teil davon zur Bewässerung.

ISTANBUL. Von derzeit zirka 5,2 Mio. ha soll die bewässerte Fläche bis 2023 auf rund 8,5 Mio. ha vergrößert werden. Um den damit wachsenden Wasserbedarf zu decken, müssten zahlreiche neue Stauanlagen gebaut und zusätzliche Grundwasserquellen erschlossen werden. Nachhaltigeres Potenzial liegt jedoch angesichts begrenzter Ressourcen in der Anwendung wassersparender Bewässerungstechniken.

Von den in der Türkei insgesamt zur Verfügung stehenden 28 Mio. ha Anbaufläche gelten 26 Mio. ha als grundsätzlich geeignet für die Bewässerung. Da die vorhandenen Wasserressourcen regional sehr stark differieren, besteht aber nur für 12,5 Mio. ha davon tatsächlich die Möglichkeit der künstlichen Zufuhr von Wasser. Werden ökonomische Kriterien hinzugezogen, bleiben etwa 8,5 Mio. ha übrig, auf denen die landwirtschaftlichen Erträge durch Bewässerung erhöht werden könnten. Bisher gibt es in der Türkei rund 5,2 Mio. ha bewässerte Flächen. Der mit 78% überwiegende Teil greift auf Oberflächenwasser zurück, 19% werden durch Grundwasser gespeist und 3% nutzen sogenanntes unkonventionelles Wasser, zum Beispiel gereinigtes Abwasser.

Um die Versorgung der jährlich derzeit um 1,3% zunehmenden Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen und Rohmaterialien für eine expandierende Nahrungsmittelindustrie oder auch für die Herstellung von Baumwollstoffen zu gewährleisten, soll die Bewässerungsfläche nach Plänen des Staatlichen Wasseramtes DSI (Devlet Su Isleri) bis 2023 auf 8,5 Mio. ha ausgedehnt werden. Etwa 1,5 Mio. ha der zusätzlichen Fläche entfallen auf das Gebiet des Südostanatolien-Projektes GAP (Güneydogu Anadolu Projesi). Die Kosten zur Verwirklichung dieses Ziels schätzt das DSI auf 28 Mrd. US$ allein für den Bereich Landwirtschaft.

Die expansive Strategie mit dem Neubau zahlreicher Staudämme ist im Land nicht unumstritten. Die Maßnahmen stellen oft erhebliche Eingriffe in die natürlichen Ökosysteme dar und nehmen nicht immer Rücksicht auf die in den betroffenen Gebieten ansässige Bevölkerung. Zu den im Rahmen von Staudamm-Großprojekten regelmäßig auftretenden Problemen mit der Umsiedlung der Bewohner kommen in einem an historischen Stätten reichen Land wie der Türkei Bedenken bezüglich der Überflutung von Baudenkmälern und anderen Spuren der Geschichte auf wie im Falle des Ilisu-Dammes der alten Stadt Hasankeyf.

Gleichzeitig mit der Ausdehnung der Bewässerungsflächen steigen außerdem die damit verbundenen Risiken, etwa durch die Absenkung des lokalen Grundwasserspiegels infolge zu starker Entnahme oder die Versalzung der Ackerböden wegen unzureichender Drainage. Offene Bewässerungskanäle und oberflächliche Zuleitungsrinnen weisen im heißen und trockenen Klima der südlichen Landesteile zudem hohe Verluste durch Verdunstung sowie Undichtheiten infolge mangelnder Wartung auf. Nur zirka 7% der Zuleitungen sind geschlossene Rohre.

Für eine nachhaltigere Nutzung der Wasserreserven ist deshalb neben dem Bau von neuen Staudämmen und Pumpwerken der Ausbau von Leitungen, die wenig Wasser verlieren, sowie die Sicherstellung einer ausreichenden Drainage wichtig. Bisher werden 92% der bewässerten Felder lediglich durch oberflächliche Zuleitung bewässert. Nur 8% der bewässerten Anbaufläche verfügen über verbesserte Methoden, darunter 6% Sprinkler- und 2% Tröpfchenbewässerung. Hier besteht also erhebliches Potenzial für eine effizientere Nutzung der bereits jetzt zur Verfügung stehenden Wasserressourcen für die Bewässerung.

Seite 1:

Bewässerung in der Türkei: Chance für neue Techniken

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%