Lastmanagement
Sonne, Wasser und Biomasse gleichen Flauten automatisch aus

Virtuelle Kraftwerke kombinieren flexibel verschiedene Stromquellen und liefern so stetige Energiemengen. Eines der ersten virtuellen Kraftwerke im Normalbetrieb steht in Unna. Die Stadtwerke sparen damit bares Geld.

KÖLN. Die Stadtwerke in Unna gewinnen ihren Strom aus Windrädern, Solarzellen und einem Wasserkraftwerk, dazu kommen noch fünf herkömmliche Block-Heizkraftwerke. Damit Flauten oder Dauerregen nicht das Netz lahm legen, werden sie alle zentral gesteuert: Wenn die Sonne scheint und viel Wind weht, produzieren die Kraftwerke weniger Strom. „Dann schaltet man die Motoren ab“, sagt Erik Henning, Projektleiter beim Dortmunder Energiewirtschafts-Berater EUS. Wenn es in Unna regnet und der Wind gerade Pause macht - auch kein Problem: Die Block-Heizkraftwerke gleichen den fehlenden Strom aus.

„Virtuelles Kraftwerk“ heißt diese Entwicklung. Das in Unna ist eines der ersten im Normalbetrieb in Deutschland. Die Stadtwerke sparen damit Geld: Zum einen brauchen sie weniger Gas für ihre Kraftwerke, und sie müssen weniger Energie zukaufen - weil das virtuelle Kraftwerk den Wind recht gut vorhersagen kann. So wissen die Unnaer heute häufig schon mehrere Tage im Voraus, wie viel Strom sie selbst produzieren können und wie viel sie zusätzlich brauchen werden. Wenn sie den Strom früher kaufen, ist das für sie billiger. Virtuelle Kraftwerke lösen ein grundsätzliches Problem der Windkraft: Sie liefert zwar Strom - aber nur, wenn der Wind weht. Und der Strom aus Sturmstunden lässt sich kaum für später speichern. Windkraft ist also an sich nicht zu gebrauchen für die so genannte Grundlast, den Grundbedarf an Energie, der verlässlich gedeckt werden muss.

Wenn über Mittag Flaute herrscht und die Menschen an den Herden daheim trotzdem kochen wollen, muss die Energie dafür irgendwo her kommen. Die Anbieter müssen also dafür sorgen, dass sie jederzeit Ersatz-Energie abrufen können. Dafür brauchen sie Reserve-Kraftwerke, und das kostet Geld. Lange Zeit war das „Grundlast“-Problem eine beliebtes Argument, mit dem Windkraftgegner gegen die neue Energie zu Felde zogen.

Hier setzten virtuelle Kraftwerke an: Ausgeklügelte Computer-Programme kombinieren die Windparks zum Beispiel mit Solaranlagen und Biomasse-Kraftwerken. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn kein Wind weht, scheint vielleicht die Sonne - und wenn das immer noch nicht reicht, kommt die Energie eben aus der Biomasse. Wie viel Strom das virtuelle Kraftwerk liefert, wird berechenbar.

Das ist zwar gut für die Windpark-Betreiber, verschiebt das Problem indes aber nur. Windräder brauchen immer noch zusätzliche Reserve-Kraftwerke. „Windenergie kann nicht die Grundlast übernehmen“, sagt selbst Greenpeaces Energie-Experte Jan Feddern. Doch Stromanbieter müssen die Reserve-Energie dank der Softwaresteuerung nicht mehr so oft teuer anderswo einkaufen und über lange Leitungen transportieren, sondern können die Strommenge selbst ausgleichen.

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