Leasing Die Krise der anderen

Das Leasing-Geschäft, jahrelang der Wachstumsmotor für den Mittelstand, beginnt zu stottern: Der Mittelstand leidet unter der Finanzklemme der Leasingfirmen, Banken stellen das Geld für die Geschäfte allenfalls zu verschärften Konditionen bereit. Was Unternehmer beim Thema Leasing beachten sollten.
  • Anke Brillen
Immer häufiger stellt Leasing, einst problemlose Alternative zur Kreditfinanzierung, Mittelständler vor ernsthafte Probleme.

Immer häufiger stellt Leasing, einst problemlose Alternative zur Kreditfinanzierung, Mittelständler vor ernsthafte Probleme.

FRANKFURT. Alles war besprochen gewesen. Vor Weihnachten hatte Unternehmer Harald V., Mitte 40 und geschäftsführender Gesellschafter einer Druckerei irgendwo auf dem Land in Bayern, den Liefertermin für seine neue Roland-MAN-Druckmaschine schon fest vereinbart. Sie sollte geleast werden, die Vorfinanzierung stand schon. Doch jetzt ist die Finanzierung über die hausbankeigene Tochter der Sparkasse LGS geplatzt. Der kräftig gebaute Mann mit den stramm nach hinten frisierten Haaren, der anonym bleiben will, ist nervös. Alle drei Minuten greift er zum Telefon, um doch noch jemanden in der Bank zu erreichen.

Die Situation ist neu für Harald V. Noch nie hatte es für den gestandenen Unternehmer Probleme bei der Finanzierung gegeben. Doch jetzt ist es alles anders: Leasing, jahrelang der Wachstumsmotor für den Mittelstand beginnt zu stottern, weil die Banken das Geld für die Geschäfte allenfalls zu verschärften Konditionen bereitstellen. Die Leasingfirmen leiden darunter, und ihre Kunden leiden mit. Denn die Finanzierer der Leasingfirmen verlangen deutlich mehr Garantien.

So flatterte bei Harald V. zuletzt ein verhängnisvolles Schreiben ins Haus: „Aufgrund des geänderten wirtschaftlichen Umfeldes“ hätte die Bank gerne noch eine Planbilanz, die zusätzliche Sicherheitsübereignung weiterer Maschinen und die unbeschränkte Bürgschaft sämtlicher Gesellschafter. Obendrein sollte Harald V. eine extrem hohe Nettoanzahlung von 35 Prozent für die 1,4 Mio. Euro teure Druckmaschine leisten. Mit dieser Anzahlung ließe sich die Maschine auch bei Insolvenz verlustfrei wieder verkaufen.

Dabei gehe es der mit modernen Designer-Möbeln eingerichteten Firma blendend, sagt Harald V. Er bereut es nun, dass er sich auf die Leasingtochter seiner Hausbank verlassen hat und nicht noch weitere Angebote eingeholt hat. Peinlich ist das auch gegenüber dem Hersteller der Maschine. Das Stück ist auslieferungsbereit und wartet auf Bezahlung. Ebenso schlimm ist, dass die alte Druckmaschine bereits reparaturanfällig ist. Findet sich ein der Eile kein neuer Finanzier, muss er die Bedingungen der Bank akzeptieren – die Krise der anderen, nämlich der Leasinggesellschaften hat ihn dann voll getroffen.

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