Liberalisierung des Arzneimittelgeschäfts
Frischer Wind im italienischen Einzelhandel

In Italien werden Geschäftseröffnungen künftig deutlich einfacher sein als zuvor. Die Regierung schafft mit ihren neuen Liberalisierungsgesetzen auch verschiedene Begrenzungen für Sonderverkäufe ab. Und während sich in Deutschland die Gemüter über die erste Filiale der niederländischen Apothekenkette Doc Morris erhitzen, gehen die Italiener sogar noch weiter.

bfai MAILAND. Italien will den Handel weitgehend liberalisieren. Das vom Parlament Ende Juli 2006 genehmigte und nach dem neuen Industrieminister benannte Bersani- Liberalisierungsdekret (223/2006) erleichtert künftig Geschäftseröffnungen und schafft die bislang geltenden Begrenzungen für Sonderverkäufe ab. Rezeptfreie Arzneimittel können ab sofort in Supermärkten verkauft werden. Die EU-Kommission und ausländische Handelsunternehmen lobten die Änderungen und erwarten einen Konsolidierungsprozess.

Durch diese Liberalisierungsmaßnahmen plant der Industrieminister die italienischen Handelsstrukturen an das EU-Niveau anzupassen. Bislang geltende Schranken, wie die zeitliche Begrenzung von Sonderverkäufen, strenge Konzessionsverfahren bei Geschäftseröffnungen oder das Verbot, bestimmte Warengattungen in Supermärkten oder Nahrungsmittelgeschäften anzubieten, entfallen ab sofort. Auch die bislang obligatorischen, räumlichen Abstände zwischen den einzelnen Geschäften wurden abgeschafft. Branchenexperten erwarten durch den "frischen Wind" eine weitere Expansion des modern organisierten Handels.

Der Präsident des Handelsverbandes Confcommercio, Carlo Sangalli drängt auf eine weitere Deregulierung, wie etwa auf flexiblere Ladenöffnungszeiten. Die im Jahr 1998 verabschiedete Handelsreform erwies sich in Italien als Flop. Immer noch ist der Handelssektor mit knapp über 1 Mill. Verkaufspunkten stark fragmentiert. Die Geschäfte mit festen Standort werden durch rund 10



000 Wandermärkte mit einem geschätzten Umsatz von 28 Mrd. Euro ergänzt. Der Umsatz der meist illegal eingewanderten Straßenverkäufer, die großenteils Kopien von Markenwaren anbieten (Handtaschen, Foulards, Spielwaren etc.), wird auf 9 Mrd. Euro geschätzt.

Insbesondere die Discounter expandierten seit Kurzem stark, denn die Italiener schauen mehr und mehr auf den Preis. Laut einer Untersuchung von Confcommercio und vom Sozialforschungsinstitut Censis haben in den letzten Monaten 60 Prozent aller privaten Haushalte ihren Verbrauch gekürzt. Die deutschen Handelsunternehmen Lidl und Aldi verfügen in Italien bereits über eine starke Marktposition und wollen weiter expandieren.

Ab sofort sind rezeptfreie Arzneimittel auch in Supermärkten erhältlich. Die insgesamt 17 500 Apotheker haben nach mehrtägigen Streiks beigegeben, nachdem die Regierung ihnen ein Zugeständnis machte: Die neuen Arzneimittelabteilungen in Supermärkten müssen unter Aufsicht eines Apothekers stehen. Die EU, die Italien erst kürzlich wegen des Verbots, mehrere Apotheken zu betreiben sowie der geringen Deregulierung am Arzneimittelmarkt verwarnte, ist mit den Liberalisierungsfortschritten zufrieden. Auch ausländische Handelsunternehmen loben die Maßnahmen: Es ist der Anfang für eine Deregulierung, heißt es bei der Supermarktgruppe Auchan.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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