Lieferungen aus Japan
Betriebe sind auf Engpässe nicht eingestellt

Die Schockwellen der Erdbebenkatastrophe in Japan erreichen die deutsche Wirtschaft. Vor allem Mittelständler sind getroffen, wenn wichtige Zulieferteile fehlen. Doch Maßnahmen werden dennoch oftmals nicht getroffen.
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KölnWeil durch den Produktionsausfall bei mehreren Lieferanten Engpässe drohen, bereiten sich Autozulieferer wie der Sitzhersteller Grammer oder der Lichttechnikspezialist Hella auf die Einführung von Kurzarbeit vor. „Japanische Zulieferteile finden sich in fast jedem Auto“, sagt Gerd Kerkhoff, Geschäftsführer von Kerkhoff Consulting in Düsseldorf. „Auch deutschen Unternehmen werden deshalb Komponenten zur Weiterverarbeitung fehlen.“

Die verheerende Naturkatastrophe wirft ein Schlaglicht auf die mangelnde Krisenvorbereitung vieler Betriebe: „Vor allem Mittelständler setzen immer noch häufig auf wenige Lieferanten, mit denen sie die größten Volumina für ihr Geschäft abwickeln“, sagt Kerkhoff. Das mache die Geschäftsmodelle im Fall unerwarteter Ausfälle angreifbar. Um das zu verhindern, müssten sich die Firmen verstärkt mit dem Aufbau von Alternativlieferanten beschäftigen.

Kleinere Firmen planen schlechter

Bei der Abwehr von Produktionsausfällen, die durch Lieferengpässe bedingt sind, ist der Mittelstand deutlich schlechter aufgestellt als Großunternehmen. Nur 14 Prozent der mittelgroßen Betriebe verfügen über ein Risikomanagement im Einkauf. 43 Prozent geben sogar an, gar keine Maßnahmen zu treffen, um Ausfallrisiken zu begrenzen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach und der Universität St. Gallen im Auftrag von Kerkhoff Consulting, die im April veröffentlicht wurde.

Große Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern schneiden darin deutlich besser ab: In dieser Kategorie versucht jeder Zweite der Befragten, Einkaufsrisiken aktiv zu verwalten. „Man sieht, dass die Großen hier in einer ganz anderen Liga spielen und sich nun auch leichter tun werden, mit einer solchen Katastrophe wie in Japan umzugehen“, sagt Kerkhoff. Um eine schnelle Reaktionsfähigkeit bei Lieferausfällen zu ermöglichen, müssten die Manager auch die Organisation ihres Unternehmens überdenken, fordert Hansjörg Fromm, Professor für Supply-Chain-Management an der Universität Erlangen-Nürnberg und Partner der IBM Unternehmensberatung: „Es muss in jeder Geschäftsführung einen Supply-Chain-Verantwortlichen geben, der die komplette Lieferkette vom Einkauf über die Produktion bis zum Vertrieb überblickt. Nur so lässt sich schnell herausfinden, wie sich ein Lieferantenausfall auf das gesamte Unternehmen auswirkt.“

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