Liquidität statt Forderungen
Gastbeitrag: Factoring schafft Finanzspielraum

Mittelständische Unternehmen in Deutschland leiden nicht nur unter der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. Sie gehören vielmehr selbst zu den größten Kreditgebern in Deutschland. Denn die hohen Forderungsbestände der Betriebe sind nichts anderes als Kredite an die Kunden. Dies belastet massiv die Liquidität des Mittelstands.

HB DÜSSELDORF. Das Dilemma ist offensichtlich. Unternehmen, die mit innovativen Produkten auf Expansionskurs sind, benötigen Finanzmittel, um weiter zu expandieren. Die gerade bei solchen Unternehmen großen Forderungsbestände binden Liquidität und beschneiden damit die Handlungsfreiheit. Wo eigenes Geschäft finanziert werden müsste, finanzieren sie das ihrer Abnehmer.

Eine attraktive Lösung des Problems bietet das so genannte Factoring, der Verkauf der Forderungen an eine Bank oder auf Forderungsmanagement spezialisierte Institute. Außenstände lassen sich damit sofort, noch vor ihrer Fälligkeit, in Liquidität verwandeln. Beim Verkauf an einen Factor (z. B. eine Bank) übernimmt dieser die Forderungen und das Unternehmen erhält den Gegenwert abzüglich einer Factoringgebühr, die zwischen 0,5 bis 2,5 Prozent der Rechnungssumme bei Inlandsgeschäften und 1 bis 2,5 Prozent bei Auslandsgeschäften liegt. Üblicherweise wird ein so genannter offener Factoringvertrag abgeschlossen, weshalb das Unternehmen seine Schuldner über den Forderungsverkauf informieren muss. Diese haben den Rechnungsbetrag an den Factor zu zahlen.



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Neben der Finanzierung kann der Factor auch gegen zusätzliche Gebühren die gesamte Debitorenbuchhaltung, das Inkasso- und Mahnwesen sowie die Rechtsverfolgung übernehmen. Solange er die Debitorenbuchhaltung günstiger abwickeln kann als das Unternehmen selbst oder durch professionelles Mahn- und Beitreibungswesen die Forderungslaufzeiten verkürzt, entsteht auch hierbei ein Kostenvorteil.

Factoring schützt das Unternehmen zudem vor Forderungsausfällen durch Insolvenz seiner Kunden, da der Factor auch die Haftung für die Bezahlung der Forderungen (so genanntes Delkredererisiko) übernimmt. Für das Unternehmen wird daher der Liquiditätszufluss auch bei Zahlungsunfähigkeit des Schuldners planbar. Beim Factoring scheiden die veräußerten Forderungen aus dem Vermögen und der Bilanz des Unternehmens aus, wodurch sich die Liquidität erhöht.Werden diese liquiden Mittel dazu verwendet, bestehende Verbindlichkeiten abzubauen, wird die Eigenkapitalbasis des Unternehmens erhöht. Die verbesserte Relation von Eigenkapital zu Fremdkapital wirkt sich positiv auf das Rating des Unternehmens aus. Die gesteigerte Bonität führt wiederum zu einer günstigeren Finanzierung des gesamten Unternehmens.

Durch den Abbau von Verbindlichkeiten ergeben sich auch steuerliche Vorteile, da hierdurch die gewerbesteuerliche Belastung infolge von Dauerschulden und Dauerschuldzinsen gemindert werden kann. Der Forderungsverkauf hat allerdings durchaus seine Grenzen. Erst ab einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Millionen Euro und einer nicht zu großen Anzahl von Kunden wird es für beide Seiten interessant. Das Zahlungsziel sollte im Inland unter 90 Tagen, im Ausland unter 180 Tagen liegen. Natürlich spielt auch die Bonität der zum Verkauf stehenden Forderungen eine entscheidende Rolle. Für die Factoring-Institute ist nicht der Factorkunde „Kreditnehmer“, sondern der Forderungsschuldner. Damit tritt die Bonität des Forderungsverkäufers selbst in den Hintergrund.

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass Factoringverträge zu einer längerfristigen Bindung zwischen Factor und Unternehmen führen, da durch die Übernahme der Debitorenbuchhaltung eine kurzfristige Kündigung des Vertrags schon aus organisatorischen Gründen kaum möglich ist. Gerade durch die Verbindung von Finanzierungs- und Servicefunktionen stellt das Factoring jedoch ein Instrument dar, das der Mittelstand bei der Finanzierungsentscheidung in jedem Fall berücksichtigen sollte. Die Rolle des Kreditgebers kann er so anderen überlassen.

Autoren:

Dr. Christian Rödl LL.M., Rechtsanwalt, Steuerberater, Geschäftsführender Partner, Rödl & Partner Nürnberg

Kontakt: christian.roedl@roedl.de

Dr. Isabel Bauernschmitt, Steuerberaterin, Associate Partner, Rödl & Partner Nürnberg

Kontakt: isabel.bauernschmitt@roedl.de

www.roedl.de

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