Listerien-Fund
Fleischfirma Sieber klagt gegen Produktionsverbot

Nach dem Fund von gesundheitsgefährdenden Bakterien muss die Fleischfirma Sieber ihre sämtlichen Waren zurückrufen. Gegen ein Produktionsverbot wehrt sich das Unternehmen aber – und vermutet politische Gründe.

GeretsriedDie Fleischwarenfirma Sieber geht nach dem Fund gesundheitsgefährdender Bakterien in Wurstwaren gerichtlich gegen das behördlich angeordnete Produktionsverbot vor. Es sei Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht worden, sagte der Inhaber Dietmar Schach am Dienstag am Firmenstandort im oberbayerischen Geretsried. Zuvor waren in Proben gesundheitsgefährdende Listerien gefunden worden.

Der Rückruf sämtlicher Waren und die Werksschließung seien politisch motiviert. Es werde der Versuch unternommen, „an einem Betrieb ein Exempel zu statuieren“, um von behördlichen Versäumnissen abzulenken, kritisierte der 51-Jährige. Er bezifferte den täglichen Schaden für sein Unternehmen auf 100 000 Euro. Insgesamt mehrere Hundert Tonnen Ware müssten vernichtet werden. Die Staatsanwaltschaft München II leitete unterdessen Vorermittlungen gegen die Firma ein. „Wir prüfen den Sachverhalt“, sagte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich.

Das Landratsamt in Bad Tölz hatte am Freitag angeordnet, dass sämtliche Sieber-Produkte in Deutschland und dem benachbarten Ausland aus den Ladentheken sowie in Flughäfen und Großkantinen zurückgerufen und vernichtet werden müssen. Das Unternehmen beliefert nach seinen Angaben die Ketten Lidl, Norma, Rewe und Penny, nicht jedoch Aldi. Außerdem verhängte die Behörde ein Betriebs- und Vertriebsverbot für die Großmetzgerei mit 120 Beschäftigten.

Eine Ansteckung mit Listerien kann bei Kleinkindern und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem zu starkem Durchfall und Fieber führen. Bei Gesunden verläuft die Listeriose genannte Krankheit meist harmlos.

Firmeninhaber Schach äußerte den Verdacht, dass sein Unternehmen durch die staatlich angeordneten Sanktionen dafür missbraucht werde, politisch vorzeigbare Erfolge im Kampf gegen Lebensmittelskandale zu erzielen. Er nannte auf Nachfrage die Versäumnisse bei Bayern-Ei.

Das bayerische Verbraucherschutzministerium wies die Vorwürfe zurück: „Die zuständigen Behörden handeln konsequent zum Schutz der Verbraucher“, erklärte ein Sprecher. „Auch für Betriebe einschneidende Maßnahmen werden zum Schutz der Verbraucher ergriffen, wenn sie rechtlich zulässig und erforderlich sind.“ Die Behörden hätten die erforderlichen Maßnahmen ergriffen, betonte der Sprecher und ergänzte: „Der Rückruf wird amtlich überwacht. Außerdem wurden weitere Proben genommen, die noch ausgewertet werden. Die weitere Aufklärung der Lieferwege läuft.“

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Inhaber arbeitet an Rettungskonzept

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