Low & Bonar
Wenn Briten aufs Dach steigen

Das britische Unternehmen Low & Bonar baut weltweit Stadiondächer – von Wolgograd bis Stuttgart. Doch die Briten sind viel deutscher als man annehmen könnte. Daran soll auch der Brexit nicht ändern.
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LondonEs gibt wohl kaum einen Briten, der sich in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena so gut auskennt wie Brett Simpson. Dabei ist der 53-Jährige noch nicht einmal ein großer Fußballfan – er schaut sich eigentlich lieber Rugbyspiele an. Doch soeben hat Simpsons Firma Low & Bonar die Arbeiten an dem neuen Stadiondach beendet, eines der größten Projekte des britischen Unternehmens in Deutschland. Insgesamt hatte die Ausschreibung ein Volumen von fast zehn Millionen Euro, wie Simpson im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt.

Nach einer Nutzungsdauer von fast 25 Jahren mussten die weißen Membranfolien ausgetauscht werden, Low & Bonar erhielt den Auftrag. Eine Mammutaufgabe: Insgesamt besteht das Arenadach aus 40 einzelnen Feldern mit einer Gesamtfläche von rund 37.000 Quadratmetern. Sie hängen zwischen 18 und 35 Metern über dem Boden. Die neuen Folien kommen jedoch nicht aus Großbritannien; Low & Bonar hat mit Werken in Obernburg, Hückelhoven und Fulda drei Produktionsstätten in Deutschland.

Hätte das Anfang des 20. Jahrhunderts gegründete Unternehmen nicht seinen Hauptsitz in London, es wäre ein typischer Vertreter des deutschen Mittelstands. Mehr als 500 Menschen arbeiten in Deutschland für die britische Firma.

Firmenchef Simpson gerät ins Schwärmen, wenn es auf den Ruf von „Made in Germany“ geht. „Die Nachfrage nach Technologie made in Germany ist groß“, erzählt er – daran hätten auch nicht die Negativschlagzeilen rund um den Dieselskandal in Deutschland etwas geändert. Gut ein Zehntel des jährlichen Konzernumsatzes von zuletzt 400 Millionen Pfund erzielt Low & Bonar in Deutschland mit dem Verkauf seiner textilen Werkstoffe, die etwa für Lkw-Planen verwendet werden, für Zelthallen, Schwimmbeckenüberdachungen – und eben auch Stadiondächer.

In den vergangenen Jahren lief das Geschäft in Deutschland aber nicht problemlos. Neue Regularien erschwerten das Geschäft und es gab Qualitätsmängel. Diese Schwierigkeiten seien aber angegangen worden und nun überwunden, versichert Simpson. Die deutschen Mitarbeiter hätten nichts zu befürchten, es seien keine Entlassungen in Deutschland geplant.

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