Luxushaus Hermès
„Unsere Enkel sollen stolz auf uns sein“

Beim französischen Luxushaus Hermès ist mittlerweile die sechste Generation in den Gesellschafter-Rat eingezogen. Aber die Leitlinie des Hauses hat sich in 170 Jahren nicht verändert. Beim Familienunternehmen Hermès steht nur eins im Vordergrund: das Produkt. Wie Hermès durch die Krise manövriert.

PARIS. Die junge Heesun nimmt Maß und sticht zu: Sie zwängt ihre silbernen Nadeln von zwei Seiten durch dasselbe Loch im Eidechsen-Leder. "Dabei müssen sich die Fäden kreuzen, damit es besser hält", erklärt Julian Mikorski. Der junge Mann mit den kurzen dunklen Haaren und dem weißen Polohemd ist der Vize-Chef des Ateliers des französischen Luxus-Hauses Hermès. "Alle Griffe und Seitenteile einer Handtasche werden bei uns doppelt vernäht", fügt er hinzu. Die Taschen des Familienunternehmens sollen schließlich lange halten.

Die Verarbeitung der feinen Leder ist aufwendig. Also nehmen sich Täschner in dem loftartigen Atelier im zehnten Pariser Arrondissement entsprechend viel Zeit: "Für eine Handtasche braucht ein Mitarbeiter zwischen zwölf und 18 Stunden", sagt Mikorski. Auf einem einfachen Metallregal in der Mitte des Ateliers steht ein Resultat der Mühen: eine fertige Tasche "Birkin 40" aus Krokodilleder. Sie kostet 27 000 Euro.

Trotz Krise reißen die Kunden Hermès die Taschen wie die Birkin und den Klassiker Kelly förmlich aus den Händen. "Wenn ich heute 50 000 Taschen mehr produzieren könnte, hätte ich kein Problem, sie zu verkaufen", erzählt Patrick Thomas, der Vorstandschef von Hermès. Sind sie doch auch ganz besondere Qualitätsprodukte: Jeder Täschner bei Hermès signiert quasi sein Produkt, indem er an einer fast nicht erkennbaren Stelle seine Initialen anbringt. Reklamiert der Kunde die Tasche, bekommt sie der Täschner zur Reparatur wieder auf den Tisch. Und das ist für ihn eine Schande - zumal es alle seine Kollegen mitbekommen.

Beim französischen Luxushaus ist mittlerweile die sechste Generation in den Gesellschafter-Rat eingezogen. Aber die Leitlinie des Hauses hat sich in 170 Jahren nicht verändert: "Hermès steht für Handwerk und Kreation", definiert Thomas. "Daher sehen wir uns selbst auch nicht als ein Luxusunternehmen", schiebt er nach. Thomas ist der erste Vorstandschef bei Hermès in 170 Jahren, der kein Spross der Familie ist.

Die nackten Zahlen geben der Familie Hermès recht, die nach wie vor 73 Prozent des Kapitals kontrolliert: Seit dem Börsengang im Jahr 1993 stieg der Umsatz um den Faktor vier, der Gewinn um den Faktor zehn und die Börsenbewertung um den Faktor 20. Als ein Analyst den ehemaligen Vorstandschef Robert Dumas einmal nach seiner Strategie fragte, antwortete dieser: "Wir wollen, dass unsere Enkel stolz auf uns sind."

Die Krise streift das Familienunternehmen nur, wirklich treffen tut sie Hermès nicht. Der Umsatz im ersten Halbjahr wuchs um 7,6 Prozent und blieb stabil, rechnet man Wechselkursänderungen heraus. Besonders das Kerngeschäft mit Ledertaschen und Seidentüchern läuft nach wie vor gut, die Verkäufe in den eigenen Länden laufen prächtig. "Vor allem im zweiten Quartal zogen die Verkäufe an", lobten die Analysten von Credit Suisse. Finden zweimal im Jahr Schlussverkäufe imPalais de Congres statt, kommt es zu endlos langen Schlangen, in denen die Pariserinnen geduldig warten, um ja nur ein Hermès-Teil - zu niedrigeren als den sonst üblichen hohen Preisen - zu ergattern.

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