„Made in America“
Wenn sich China nicht mehr lohnt

In Asien finden sich viele der Billigheimer unter den globalen Produktionsstätten, dabei ist die Herstellung in der Ferne oft kaum günstiger. US-Firmen wie der Kosmetikkonzern Farouk Systems blasen nun zum Rückzug.
  • 11

HoustonMan muss nur nach den knalligen Schuhen suchen. Beim Rundgang verliert man Farouk Shami im Gewirr von Metallkübeln und Sortiermaschinen schnell aus den Augen. Aber man findet ihn rasch wieder: Der Chef von Farouk Systems trägt blauen Anzug, grau-weiß gestreiftes Hemd – und rote Cowboystiefel. Auf deren Spitze steht mit goldenen Buchstaben „Chi“, das ist die Hauptmarke des Kosmetik- und Konsumgüterkonzerns mit Sitz in Houston im US-Bundesstaat Texas.

Der Firmengründer liebt seine Fabrikhallen, kennt jede Maschine und grüßt die Arbeiter. In Asien löst er derzeit seine Produktion auf, bis 2015 soll alles wieder in Amerika hergestellt werden. Eine überraschende Entscheidung, immerhin zahlt Shami einem Arbeiter in China nur 40 Cent die Stunde und in den USA zwölf Dollar. Aber das sind, so meint er, nicht alle Kosten. Rechnet man noch Transport, Zoll und deutlich höhere Lagerhaltung hinzu, hat China nur noch knapp die Nase vorn.

Farouk System ist mit knapp einer Milliarde Dollar Umsatz einer der größten privat geführten Kosmetikhersteller der Welt. Das Geld wird mit teilweise patentierten Ökoprodukten verdient: Haarfärbemittel ohne Ammoniak, Lockenstäben mit Keramik oder Föhne mit niedriger elektromagnetischer Strahlung. Seitdem das Unternehmen in China produziert, kämpft es gegen eine Flut von gefälschten Produkten. „In China hat man keinen Respekt vor Privateigentum“, sagt Shami.

Der Unternehmenschef ist mit seinem Vorhaben keineswegs allein. Nach Schätzung der Beratungsfirma Gartner werden bis 2014 rund 20 Prozent der nach Asien ausgelagerten Produktion wieder in die USA zurückgeholt. Steigende Arbeitskosten und andere Faktoren wie bessere Logistik oder steigende US-Produktivität „erodieren kontinuierlich den vormals überwältigenden Kostenvorteil Chinas“, schreibt Boston Consulting in einer neuen Studie. Nach deren Analyse wandern bis 2020 jährlich Produktionskapazitäten von 20 bis zu 55 Milliarden Dollar in die USA zurück, wo durch die Rückkehr insgesamt drei Millionen Arbeitsplätze entstehen.

Seite 1:

Wenn sich China nicht mehr lohnt

Seite 2:

Schon als Kind war Shami fasziniert von Farben

Kommentare zu " „Made in America“: Wenn sich China nicht mehr lohnt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es brennt in China auf mehreren Baustellen, unsere dt. Premiumautobauer bekommen ihre Autos nur noch mit Rabatt los.
    Die Inflation kommt ins laufen, damit werden auch die Entgelte steigen. Die chin. Währung ist nicht wirklich kompatibel. Die kleinen chin. Unternehmer sitzen in einer Kreditkostenklemme, und hauen einfach ab. China denkt über mehr Inlandskonsum und eine Art Sozialversicherung nach. Es existiert eine Immobilienblase, die Infrastrukturkredite für Kommunen sind latent notleidend.
    Sobald die Kapitalmarktzinsen wieder normal sind wird eine Auftragsfinanzierung in China erheblich teurer. Es gibt genug Aspekte zur Repatrierung.
    Es wird schwierig für China und auch Bric-Staaten.

  • Und noch was:
    An China sieht man, dass sich unfaire Strategien langfristig nicht auszahlen. Die Firma Steiff hat das auch schon festgestellt.

  • Ich liebe es in Weltuntergangsphantasien zu baden. Ja, die Fiatwährungen, ja die Rohstoffknappheit, ja die Klimaerwärmung, ja das interessiert mich alles nicht. Ich habe es satt, mit von irgendwelchen Personen(-gruppen) vorschreiben zu lassen, wie ich zu leben habe. Ich bin es satt, von Wasserpredigern belehrt zu werden, die selbst Wein trinken. Politgelaber und Ökogeschwätz und die Feinstaubplakette öden mich an, solange vier Frachter mehr SOx ausstoßen, als der gesamte PKW Verkehr Deutschlands. Probleme,die ich nicht lösen kann, packe ich nicht an und überlasse das anderen. Und an Bernd noch eine kleine Weisheit:

    Der Tod ist des Menschen ganz privater Weltuntergang

    und wenn es ganz hart wird, dann muss ich eben meinen Waffenschrank aufschließen und mich selbst verteidigen, falls unsere Polizei dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. Aber, solange ich auf dem Land in Bayern lebe, habe ich keine Bedenken wegen der öffentl. Ordnung. Wir jammern auf hohem Niveau, ein Rückschritt in die 50er (Baden am See mit selbst bestrichener Butterstulle und einem mitgebrachten Bier) ist auch nicht besonders schlimm. Ich hoffe für die selbsternannten Weltverbesserer, dass sie einen Job haben und nicht von unserem Geld ALOII beziehen müssen, was ein gutes Training für die wachstumslose Zukunft darstellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%