
DüsseldorfEchter Whisky kommt aus Schottland. Oder Irland. Vielleicht noch aus den USA. Aber ein Single Malt aus Deutschland? Doch, doch. Für Kenner der Szene sind die deutschen Produkte längst kein Geheimtipp mehr. Den aktuellen Boom hat vor allem Florian Stetter ausgelöst. Seinen bayerischen Whisky Slyrs (spricht sich Schlürs) gibt es seit knapp zehn Jahren zu kaufen.
Am Anfang stand eine Wette. Stetter, Erbe der Schnapsbrenner-Dynastie Lantenhammer am Schliersee, bereiste 1994 Schottland. Berge, Seen, klare Luft - das alles erinnerte ihn doch sehr an die Heimat. Auch mit den Einheimischen wurde er schnell warm. „Eigensinnig, merkwürdige Aussprache und herzlich - wie wir Bayern.“ Auch der Whisky - Uisge Beatha, das Wasser des Lebens, nannten ihn die keltischen Mönche einst - hatte es ihm angetan. Als Stetter und seine Begleiter nach dem Besuch einer Destillerie in vertrauter Runde beisammen saßen und fachsimpelten, rief er aus: „Das kann ich auch!“
Ein Spruch mit Folgen, denn seine Kameraden nahmen ihn beim Wort und wetteten dagegen. Der Einsatz: ein Kasten Weißbier. Zurück in der Heimat machte sich Stetter ans Werk. Als Vorteil erwies sich, dass er das Brauerhandwerk schon früh erlernt hatte. Ebenso wie Bier wird Whisky aus Gerstenmalz und Wasser hergestellt. Stetter tüftelte und probierte jahrelang. Mit Erfolg. Der dreijährige Slyrs wurde 2002 zum ersten Mal abgefüllt - in 1600 Flaschen, die nach knapp zwei Wochen vergriffen waren. Der Name Slyrs hat alte, bayerische Wurzeln. Der Legende nach hieß so das Kloster, das im Jahr 779 von Mönchen am Schliersee gegründet wurde.
Seit 2007 steht am Schliersee eine große Whiskybrennerei. Mittlerweile produziert Familie Stetter 60.000 Flaschen (0,7 Liter kosten 43,90 Euro) pro Jahr und ist damit Branchenführer in Deutschland. Die 225-Liter-Fässer, in denen der Whisky lagert, stammen aus dem US-Bundesstaat Missouri. Das grobporige Eichenholz gibt dem Slyrs seine sanfte Honigfarbe. Mit seinen jugendlichen drei Jahren schmeckt Slyrs sehr sanft, gilt mit seiner weichen Toffeenote eher als Einsteiger-Whisky.
Lagerzeit in Holzfässern. Drei Jahre beträgt das gesetzliche Mindestalter für jeden Scotch. Die meisten Malts sind aber erst nach acht bis zwölf Jahren ausgereift. Als Alter gilt der Zeitpunkt der Abfüllung in die Flasche, wobei bei einer Mischung aus Fässern mehrerer Jahrgänge, das jüngste Fass maßgebend ist. Nur wenigen Whiskys trauen Kenner eine längere Lagerzeit als 21 Jahre zu, ohne dass der Geschmack leidet.
Ein Whisky, der aus Malt- und Grain-Whisky hergestellt wird. Ausschlaggebend für eine gute Qualität sind das Alter, der Anteil und die Qualität der verwendeten Malts. Auf diesen schottischen Whisky entfallen 95 Prozent des schottischen Whisky-Umsatzes.
Der „Master Blender“ ist wohl der wichtigste Mann einer Whisky-Destillerie. Er allein entscheidet, welcher Whisky mit einem anderen verschnitten werden kann, damit die verschiedenen Sorten wirklich harmonieren. Das gilt übrigens auch für den „Malt“, denn auch hier wird ja verschnitten.
Brennerei in der Whisky herstellt wird. In Schottland gibt es noch etwa 100 Destillerien, die aber nicht alle eine eigene Marke auf den Markt bringen. Einige liefern an unabhängige Abfüller oder Handelshäuser, die den Whisky unter ihrem Namen verkaufen oder zur Herstellung von Blended Whisky verwenden.
Ein Fass (Barrel) der schottischen Whiskyindustrie besitzt in der Regel ein Fassungsvolumen von 180 bis 200 Litern. Meist handelt es sich dabei um Bourbon Fässer. Sie wurden aus amerikanischer Eiche gefertigt und bereits zur Reifung von Bourbon Whiskey verwendet. Heutzutage werden zur Lagerung von Scotch Whisky vermehrt auch andere Fässer verwendet. Diese geben dem Whisky seine charakteristischen Eigenschaften (Sherry, Portwein, Madeira, Bordeaux).
Bei diesem Whisky wird nicht nur gemälzte Gerste verwendet, sondern auch Korn, Mais und andere Getreide sind erlaubt. Er wird aus gemälzten und ungemälzten Getreidesorten hergestellt, die unter Dampfdruck gekocht werden. Dieser Whisky reift schneller als ein Malt, da er weniger Grundbestandteile beinhaltet und einen höheren Alkoholgehalt hat. Dieser Whisky ist fast geschmacklos. Er verdrängte somit den Malt und eignete sich bestens zum Verschneiden.
Whisky gilt als heißer Tipp für Anleger. Vor allem limitierte Abfüllungen berühmter Destillerien steigen über die Jahre stark im Wert. Bis zu 30.000 Euro haben Spitzenwhiskys bei Auktionen erzielt. Bei einigen Flaschen entspricht das einer Preissteigerung von bis zu 1000 Prozent in 50 Jahren. Besonders begehrt sind edle Single Malts.
Japan gehört zu den größten Whiskyproduzenten der Welt. Seit Mitte der 1920er wird dort zumeist Single Malt hergestellt.
Malz, das eigentliche Grundprodukt zum Destillieren eines jeden Whiskys. Die in Wasser eingeweichte Gerste wird zum Keimen gebracht. Dieser Vorgang wird dann jedoch, durch einen Trocknung oder das leichte „Rösten“ in einer Darre (klassischer Brennofen) mittels des beigefügten Torfes, unterbrochen. Hieraus bestimmen sich die Farbe und der Geschmack des Malzes und damit auch des späteren Whisky.
Das Wort Whisky, erstmals 1736 erwähnt, leitet sich vom Gälischen „uisge beatha“ ab und bedeutet Wasser des Lebens oder Lebenswasser.
Nach der Produktion wird der Whisky sofort auf gewünschte und unerwünschte Aromen geprüft um ein Bild von der Qualität zu erhalten. Profis „erschnuppern“ oftmals schon vor dem ersten Schluck die Güte eines Whiskys. Eine Stunde der Wahrheit für jeden Whisky.
Geschützte Herkunftsbezeichnung für einen in Schottland hergestellten Whisky. Dieser muss mindestens 3 Jahre gelagert sein (meist in Eichenfässern).
Als Single Malt bezeichnet man den Whisky, der aus einer einzigen Brennerei stammt. Dieser ist jedoch eine Mischung aus unterschiedlichen Jahrgängen und verschiedenen Fässern. Viele Destillerien haben durch eben solche Mischungen einen Malt entwickelt, der überwiegend einen gleichen charakteristischen Geschmack hat.
Ein Vatted Whisky besteht ausschließlich aus Malts unterschiedlicher Destillerien. Es kann sehr reizvoll sein, selber zu experimentieren und sich aus verschiedenen Malts einen eigenen „vatted“, ganz nach seinem eigenen Geschmack, zu kreieren. Diese Whiskys werden oftmals als „Pure Malt“ oder „Scotch Malt Whisky“ etikettiert. Sie spiegeln die Charakteristika der, in einer bestimmten Region gelegenen, Brennereien wieder.
„Whiskey“ ist die Schreibweise für Whisky in Irland und in den USA. Schotten, Kanadier und die deutschen Hersteller verzichten zumeist auf das zusätzliche „e“.
Ab 2015 soll aber auch zwölfjähriger Bavarian Single Malt in den Handel kommen. „Dieser wird sicher noch interessanter als der Dreijährige“, sagt Christian Rosenberg, Veranstalter der Fachmesse Inter-Whisky. „Das Klima am Schliersee auf 800 Meter Höhe ist ideal. Große Kälte im Winter, Hitze im Sommer - mal gucken, wie sich der Slyrs entwickelt.“
Deutschland wird zu einem Land der Whiskyliebhaber. Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) schätzt den Markt auf 56 Millionen 0,7-Liter-Flaschen pro Jahr. American Whisky und Scotch dominieren mit Abstand, deutscher Whisky besetzt immer noch nur eine Nische.
Doch die Zahl der Hersteller hierzulande steigt. Einige Dutzend sind es bislang. Heinfried Tacke, Autor des „Whisky Guide Deutschland“, rechnet damit, dass sich diese Zahl in wenigen Jahren auf mehr als 100 erhöhen wird. So viele Brennereien gibt es auch in Schottland. Längst schon reifen vielerorts die Destillate, bis sie nach einigen Jahren die nötige Reife erlangt haben und fertig für die Abfüllung sind.
Neben Slyrs und dem Klassiker „Racke rauchzart“ hat auch die Brennerei „Blaue Maus“ in der Nähe von Bamberg ihren festen Platz in der deutschen Whisky-Geschichte. Inhaber Robert Fleischmann brennt schon seit 20 Jahren im Stile der Schotten.
Selbst für etablierte Brauereien wird das Geschäft immer interessanter. Neben der Rothaus-Brauerei („Tannenzäpfle“) hat auch das Düsseldorfer Traditionshaus „Uerige“ seinen eigenen Whisky im Angebot: Der Single Malt „Baas“ lagert 36 Monate, genauso wie der Slyrs, erst dann darf sich der Brand Whisky nennen lassen. Die Menge ist noch recht übersichtlich: 6000 Liter können in der Hausbrauerei gelagert werden. Auch am Fuße der schwäbischen Alb gibt es mittlerweile mehrere Brennereien, die Produkte wie den „Schwäbischen Whisky“ oder den „Original Ammertal Whisky“ auf den Markt bringen.

Allen Herstellern eigen ist die Freude am Experimentieren. Doch auch da hebt sich Familie Stetter ab, denn am Schliersee wird nicht länger nur Whisky gebrannt, sondern seit kurzem auch Wodka. Der hat immerhin einen kleinen Vorteil gegenüber dem Whisky. Er muss nicht so lange ruhen. Die lange Lagerung hat nämlich ihren Preis: Pro Jahr verdunsten bis zu vier Prozent des gelagerten Destillats durch die Poren der Fässer. Diesen Schwund schreiben die Brennmeister poetisch genussfreudigen Himmelsdienern zu: Angels' Share, der Anteil der Engel.
Ich habe mir 2 Flaschen bei grappashop.de vor einigen Wochen bestellt. Seit gestern gibt es dort von Slyrs auch die Fassstärke. Ich kann den Slyrs nur empfehlen.
Der Wind hats schon nach Schottland getragen, das Gerücht von deutscher Konkurrenz. Aber 3 Jahre, ist das nicht ein bißchen sehr jung?
Klar doch, wir saufen alles, was die Reklame uns anpreist!
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