Märkische Faser AG
Nach der Insolvenz kommt der Erfolg

Es gibt Unternehmen, die brauchen Retter, wenn es ihnen schlechtgeht. Und andere überleben, weil sie jemanden finden, der die vermeintlichen Retter in die Flucht schlägt. Zu ihnen gehört die Märkische Faser AG aus Brandenburg. Das Unternehmen verlässt sich lieber auf die eigene Kraft statt auf externen Rat - und macht damit beste Erfahrungen.

HAMBURG. 2001 war die Firma insolvent, heute erwirtschaftet sie mit 350 Mitarbeitern einen Umsatz von 60 Millionen Euro - und ist kerngesund. Inhaber ist der Wessi Eberhard Brack, er übernahm die Firma in der Insolvenz. Und setzte konsequent auf eigenes Profil und auf Selbstheilung, statt sich von externen Gesundbetern blumige Konzepte aufschwatzen zu lassen.

Aber der Reihe nach. Im dünn besiedelten, strukturschwachen Havelland westlich von Berlin stehen auf einem weitläufigen Industriegelände die Hinterlassenschaften einer der größten Chemiefabriken der DDR. Das Unternehmen und der Standort haben eine lange Tradition, hier wurde 1890 die Chemiefaser erfunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ der zweite deutsche Staat in Premnitz eine Polyesterfaser namens Grisuten fertigen, aus der sich Windeln, Sitzbezüge, Reinigungstücher und vieles andere machen lässt.

Noch 1990 beschäftigte die Märkische Faser AG damit 6 000 Menschen. Dann folgten chaotische Jahre, das Unternehmen wurde mehrfach privatisiert und gelangte am Ende in die Hände einer Aktionärsgruppe mit Sitz in Singapur. Erklärte Absicht der neuen Eigentümer war es, in Premnitz Standardfasern in großen Mengen auch für Märkte außerhalb von Europa herzustellen. Der damalige Vorstand hielt die Idee für gewagt und allenfalls dann für umsetzbar, wenn die Inhaber vorher die Produktion modernisierten. Doch die zugesagten Mittel für Investitionen kamen und kamen nicht an aus Asien, schließlich zog der Vorstand in Brandenburg die Notbremse und meldete Insolvenz an.

Und mit dieser Insolvenz, das ist das Verblüffende an der Geschichte, begann der Erfolg. Nicht sofort, aber durch die Insolvenz hatte die Märkische Faser die Chance, so lange an den entscheidenden Schrauben zu drehen, bis das Tuning stimmte.

Voraussetzung dafür - und großes Glück für das Unternehmen - war, dass es den richtigen Investor fand. Und zwar aus eigener Kraft: Nach den Erfahrungen mit den Asiaten wandte sich der Betriebsrat direkt an Rolf Rattunde, jenen renommierten Berliner Insolvenzverwalter, in dessen Hände das Amtsgericht die Geschicke der Märkischen Faser gelegt hatte. Das Unternehmen, so die Forderung der Mitarbeiter, braucht einen Investor, der sich wirklich für die Technologie und für die Produkte der Brandenburger interessiert. Insolvenzverwalter Rattunde konterte schlicht: "Dann bringt mir einen." Und an dieser Stelle kam Eberhard Brack ins Spiel. Der Schwabe war und ist Chef der Glaeser Textil, eines Textilhandels- und Recyclingunternehmens aus Ulm. Das war schon zu DDR-Zeiten Kunde der Märkischen Faser, daher kannte der Betriebsrat Eberhard Brack. Und Brack kannte das insolvente Unternehmen: "Wir wussten, dass die Fasern aus Premnitz hervorragend waren", erzählt er.

Seite 1:

Nach der Insolvenz kommt der Erfolg

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%