Märklin
Modellzüge sollen sich wieder unterm Christbaum stapeln

Zwei Jahre nach der Insolvenz geht der Modellbahn-Hersteller in die Offensive. Der neue Chef will den Nachwuchs wieder für die Züge begeistern.
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StuttgartDer Weihnachtsmann bringt den Kindern eine Modelleisenbahn mit, doch die verhöhnen den guten Mann nur: „Du kannst nach Hause fahr'n, du kannst nach Hause fahr'n …“, brüllen die Bälger im Chor als stünden sie auf der Fantribüne im Fußballstadion. So verulkt die Elektronikkette Media Markt in diesen Tagen in einem aggressiven Radiospot die Waggons und Lokomotiven im Miniaturformat.

Stefan Löbich kann damit leben. Denn die neuen Einstiegspackungen für Kinder verkauft der Märklin-Chef trotzdem ordentlich. Mehr als 20.000 batteriebetriebene ICE-Züge hat der Manager fürs Weihnachtsgeschäft an den Handel ausgeliefert. Weil die Ladenbesitzer überraschend viel Ware geordert hatten, musste er sogar ein weiteres Mal die Maschinen anwerfen, um alle Bestellungen abzuarbeiten.

Unter dem Label „My World“ versucht Löbich mit günstigen Startsets Kinder und Eltern wieder für Modellbahnen zu begeistern. Ein Anreiz ist der Preis: Kosten die normalen Märklin-Loks mitunter 500 Euro, so ist der ICE für die Jüngsten schon für ein Zehntel dessen zu haben. Dazu kommt, dass die neuen Züge ausgesprochen robust und damit für Kinderhände geeignet sind. Für das reguläre Sortiment von Märklin gilt das allenfalls eingeschränkt. „Wir wurden durch den Siegeszug der Spielkonsolen im Kinderzimmer in die Nische gedrängt“, sagt Löbich. „Aber ich glaube trotz der digitalen Welt an eine Renaissance des Haptischen.“

Für Märklin ist es geradezu überlebenswichtig, dass „My World“ ein Erfolg wird. Zuletzt begeisterten sich fast nur noch gut betuchte und betagte Sammler für die detailgetreu nachgebildeten Eisenbahnen. Deshalb blieb der Umsatz jahrelang hinter den Erwartungen zurück, hohe Verluste liefen auf. 2009 ging das schwäbische Traditionsunternehmen schließlich pleite.

Nun will Löbich wieder an alte Zeiten anschließen, in denen sich die Märklin-Kartons noch unterm Christbaum stapelten. „Wir müssen Märklin jedem zugänglicher machen, mehr Präsenz schaffen und gezielt Kinder ansprechen“, umreißt der erfahrene Vertriebsexperte seine Strategie. Der Ex-Manager des Schraubenkonzerns Würth führt die Firma seit einem Jahr. Damals hatte das Unternehmen gerade die Insolvenz verlassen. Jetzt gehört Märklin 1350 Gläubigern, wobei Sparkasse Göppingen, BW Bank und Goldman Sachs die größten Anteile halten.

Der Spielwarenhandel sieht den Neustart der Göppinger positiv. „My World ist ein erster wichtiger Schritt“, sagt Achim Weniger, Vorstand des Nürnberger Einkaufsverbunds Vedes. In den vergangenen Jahren haben viele Vedes-Händler die Modellbahnen aus ihren Läden verbannt. Zu aufwendig war die Lagerhaltung, zu gering die Umsätze.

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