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Deutsche Technik ist in Kanada gefragt

Als Ziel deutscher Auswanderer rangiert Kanada bereits weit vorne. Auch Unternehmen finden im hochentwickelten und weltoffenen Industrieland viele interessante Möglichkeiten vor.

TORONTO. Allzu oft steht der flächenmäßig zweitgrößte Staat der Welt im Schatten seines südlichen Nachbarn USA. Dabei kann sich das Geschäftsklima Kanadas durchaus sehen lassen: Rohstoffreichtum, geringe Steuerbelastung und liberale Wirtschaftsordnung machen das nordamerikanische Land attraktiv für ausländische Unternehmen. Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsberatung KPMG liegen die Unternehmenskosten in Kanada sogar in allen untersuchten Branchen deutlich unter den US-amerikanischen.

Kernregion des Landes bilden die Provinzen Ontario und das französischsprachige Québec. Dort leben etwa zwei Drittel der 33 Millionen Kanadier und erbringen etwa 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ein weiteres Wirtschaftszentrum entsteht im westlichen Alberta, bedingt durch die Goldgräberstimmung in der Erdöl- und Gasbranche. Der kanadische Maschinenbau ist wenig entwickelt, daher werden viele Produktionsmittel aus den USA, Japan und Deutschland importiert.

Eine immer wichtigere Rolle spielt in Kanada der Umweltschutz. Je mehr Bitumen in Rohöl umgewandelt werden, desto mehr Schadstoffemissionen gibt es zu beklagen und desto dringender wird deren Drosselung. Ein weiteres Problem liegt im hohen Wasserverbrauch. Die globale Erwärmung, so ergab eine aktuelle Umfrage im Juli 2007, zählt zu den Hauptsorgen der Kanadier. Die Regierung hat bereits eine Reihe von Umweltinitiativen auf den Weg gebracht. Umwelttechnik ist in allen Bereichen zunehmend gefragt: von der Stromerzeugung bis hin zu energieeffizienten Häusern und Haushaltsgeräten. Deutsche Unternehmen sind bereits im Geschäft.

So gründete die Firma Butting aus dem niedersächsischen Knesebeck 2005 eine Niederlassung in Calgary und lieferte ein Rohrsystem für die Rauchgasentschwefelung am Ölsand-„Upgrader“ des Energiekonzerns Syncrude. Auch Bernd und Thomas Schneider bringen als Windfarmentwickler mit ihrem Unternehmen Schneider Power neue Projekte in Fahrt. Die Hardware kommt dabei teilweise aus Deutschland, etwa vom Turbinenhersteller Enercon. „Deutsche Technik ist in Kanada gefragt“, sagt Bernd Schneider. In Zukunft dürften jedoch Montage und Fertigung vor Ort zunehmen. „Denn Stahltürme aus Deutschland hereinzuholen ist sehr aufwendig und teuer“, erklärt Schneider.

Staatliche Anreize wie etwa die attraktiven Stromabnahmepreise in Ontario beflügeln den Ausbau der Wind- und Solarenergie. Bis 2015 soll die Kapazität der Windkraftenergie auf 10.000 Megawatt (MW) und die der Solarenergie bis 2025 sogar auf 20.000 MW steigen. Auch in puncto Energieverbrauch geht die Provinz mit gutem Beispiel voran und sorgt für mehr Effizienz. Hausbesitzer in Ontario erhalten vom Staat Zuschüsse von umgerechnet bis zu 3.600 Euro, wenn sie ihr Domizil energieeffizient umrüsten. Für die Entwicklung ökologischer Kfz-Technologien stellt die Provinzregierung rund 450 Millionen Euro zur Verfügung. Selbst der Kauf energiesparender Haushaltsgeräte wird steuerlich gefördert.

Deutsche Unternehmen können im freihandelsorientierten Kanada von den niedrigen Markteintrittsbarrieren profitieren. Produkte und Technologien aus Deutschland sind hier bekannt und beliebt: von den riesigen Liebherr-Trucks, die im Ölsandabbau eingesetzt werden, über Haushaltsgeräte „made in Germany“ bis hin zur Wind- und Solarkraft.

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