Marc O'Polo, Bosch, Oldenburg & Co.
Innovation made in Germany

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Marc O'Polo: Drei Prozent mehr Umsatz dank Technik

Marc O'Polo, Stephanskirchen: Perfektionist

Werner Böck bleibt sich treu. Der Eigentümer des Modelabels Marc O’Polo im oberbayrischen Stephanskirchen macht noch immer in Bekleidung – wie einst im elterlichen Herrenausstattungsgeschäft in Rosenheim oder in seiner Lehrzeit während der Swinging Sixties beim Modedesigner John Stephen in Londons Carnaby Street.

Und weil Böck, inzwischen Aufsichtsratschef von Marc O’Polo, an seinem Metier hängt, verpasst er seinem Unternehmen eine tief greifende Modernisierung. Böck („Ich bin ein ziemlicher Perfektionist“) lässt das Geschäft gerade wie kaum ein anderer in der Branche auf Effizienz trimmen. Herauskommen soll die totale Digitalisierung von der Herstellung bis zum Verkauf mithilfe von RFID.

Das Kürzel steht für Radio Frequenz Identifikation und beschreibt die Erkennung von Artikeln durch winzige Chips, die an Waren angebracht werden und ihre Informationen nach Bestrahlung durch elektromagnetische Wellen preisgeben. „Wir verbessern die Effizienz unserer Prozesse“, sagt Jana Hildenbrand, bei Marc O’Polo für die Unterstützung des Vertriebs zuständig. „Damit hat das Verkaufspersonal mehr Zeit für die Beratung, unsere Kunden sind zufriedener, und das Unternehmen kann mit höherem Umsatz rechnen.“

Was auf den ersten Blick spröde klingt, katapultiert das Unternehmen mit rund 1900 Beschäftigten in Wirklichkeit in ein neues Zeitalter. Denn mit RFID legt die Zentrale in Stephanskirchen praktisch alle Marc-O’Polo-Klamotten digital an die Kette, egal, ob Blusen, Blazer oder Schuhe.

Haben die Designer von Marc O’Polo ein Bekleidungsstück entworfen, die Näher ein Muster erstellt und die Einkäufer den Auftrag zur Produktion erteilt, werden Etiketten gedruckt, die später im Laden an den Klamotten hängen. Diese sind nicht nur beschriftet. Sie enthalten zugleich RFID-Chips und diese wiederum eine eigene Nummer für jeden einzelnen Artikel. Die Pappschildchen mit digitalem Inhalt gehen dann nach Portugal, Italien, Indien, Vietnam oder in die Türkei, je nachdem wo die Kleidungsstücke für das Modelabel produziert werden.

Von dem Moment an, in dem ein Mitarbeiter der Nähfabrik das Etikett an der fertigen Ware anbringt, haben die Oberbayern die volle Kontrolle über jedes Stück. Ob beim Wareneingang im Auslieferungslager, beim Sortieren der Teile für den einzelnen Laden oder unmittelbar vor dem Versand der Pakete an den Store – RFID-Chips liefern jeweils die Information, ob die Sendung wirklich mit dem übereinstimmt, was auf dem Lieferschein steht.

Früher blieb den Marc-O’Polo-Mitarbeitern im Wareneingang nur, Stichproben zu ziehen und dazu mühselig Kartons zu öffnen. „Den Rest haben wir geglaubt“, sagt Managerin Hildenbrand. Heute erkennt ein Lesegerät durch den geschlossenen Karton hindurch in Bruchteilen von Sekunden die Zahl der Teile.

Mindestens so groß ist der Erkenntnis- und Zeitgewinn in den Marc-O’Polo-eigenen Läden. Schafft ein Mitarbeiter etwa Ware vom Lager- in den Verkaufsraum, muss er nicht mehr jedes Etikett einscannen und im IT-System umbuchen. Am Schluss der Kette muss an der Kasse kein Produkt mehr von Hand gescannt oder entsichert werden. Stattdessen liest eine Antenne unter dem Kassentresen die Informationen aus dem Chip aus.

Unterm Strich erhofft sich Marc O’Polo allein durch die jüngste technologische Aufrüstung rund drei Prozent mehr Umsatz, etwa dreimal so viel wie die Wachstumsrate der deutschen Bekleidungs- und Textilienbranche 2013.

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