Marc O'Polo, Bosch, Oldenburg & Co.
Innovation made in Germany

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Metallverarbeitung mit 3-D-Druck

Concept Laser, Lichtenfels: Visionär

Seine Zukünftige fand Frank Herzog nicht beim Candle-Light-Dinner, sondern bei technischen Versuchen im Laserfeuer. Schon als Student fachsimpelte er am liebsten mit einer bestimmten Kommilitonin über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Laser, um mit ihnen aus Metallpulver Werkstücke zu bauen.

Irgendwann funkte es so gewaltig, dass Frank und Kerstin Herzog nicht nur ein Paar wurden. Beide sind auch auf bestem Weg, eine neue Ära in der Metallverarbeitung einzuläuten. Mit ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit und ihrer Firma Concept Laser in Lichtenfels bei Bamberg ist es dem Duo gelungen, Deutschland beim 3D-Druck von Metallwerkstücken an die Spitze zu katapultieren. Concept Laser gehört zur Hofmann Innovation Group, einer Tochter des Spritzguss- und Formenbaubetriebs der Familie von Kerstin Herzog.

Beim 3-D-Druck dieser Art schmilzt ein Laser aus pulverförmigem Metall Schicht für Schicht feste Körper. Das Verfahren hat den Vorzug, Drehen, Fräsen und Bohren in vielen Fällen überflüssig zu machen. Es gilt als eine Zukunftstechnologie, die nach Meinung des US-Starökonomen Jeremy Rifkin eine neue industrielle Revolution einleitet und die globalen Wertschöpfungsketten neu knüpfen wird. Zudem ist der 3D-Druck eine wichtige Komponente von Industrie 4.0, der digitalisierten Fertigung. Mit einem 3-D-Drucker und den passenden Daten lassen sich etwa Ersatzteile an jedem beliebigen Ort der Welt produzieren. Produktions- und Logistikketten werden überflüssig.

Die Unternehmensberatung Roland Berger sagt dem metallischen 3D-Druck mit Lasern beste Chancen voraus. 2012 lag das weltweite Marktvolumen des 3-D-Drucks für metallische Strukturen noch bei 1,7 Milliarden Euro. Binnen zehn Jahren soll es sich vervierfachen. Am meisten profitieren dürften neben Concept Laser weitere deutsche Firmen wie SLM Solutions in Lübeck und EOS in Krailling bei München.

Die Einsatzmöglichkeiten erscheinen grenzenlos. Die Franken fertigen Brenner für Raketen der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa, aber auch individuelle Implantate für Schädeldecken und Wirbelsäulen. Luftfahrtunternehmen, Maschinenbauer und die Automobilindustrie erforschen, wie sich die Produktion komplexer Metallteile mit 3D-Druckern schneller und kostengünstiger gestalten lässt.

Für den Autobauer Daimler hat Concept Laser gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik in Aachen den weltweit größten 3D-Drucker geschaffen. Der ist so groß, dass er Prototypen von Getriebeteilen aus Aluminium formen kann. Das ist preiswerter als das übliche Druckgussverfahren. „Die Serienfertigung von Bauteilen für die Automobilindustrie ist greifbar nahe“, sagt Visionär Herzog.

Dessen Firma Concept Laser wächst jetzt schon beachtlich. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen 45 Maschinen im Wert von 130.000 bis 1,5 Millionen Euro verkauft – ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Das dichte Forschungsnetzwerk, der hoch entwickelte Maschinenbau und die Ingenieur- und Tüftlerkultur tragen dazu bei, dass der metallische 3D-Druck in Deutschland zur Spitzentechnologie heranreift. „Den Wissensvorsprung der etablierten Unternehmen holen Neueinsteiger am Markt sicherlich nicht so schnell auf“, glaubt Herzog. Allerdings beobachtet er auch, dass „die amerikanischen Unternehmen die Technologie schneller anwenden. In Europa ist man zögerlicher. Etwas mehr Mut würde nicht schaden.“

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