Marc O'Polo, Bosch, Oldenburg & Co.
Innovation made in Germany

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Werkverträge, die rechtlich einwandfrei sind

Excellence, Düsseldorf: Reservistin

Es gibt Begriffe, die einfach nach schlechten Nachrichten klingen: Ebola, für das es noch immer keinen Impfstoff gibt. Die FDP, die in der Bedeutungslosigkeit verharrt. Oder Werkvertrag, das diskreditierte Instrument zur Flexibilisierung der deutschen Wirtschaft.

Falsch konstruierte Vereinbarungen mit Subunternehmern ließen Top-Konzerne wie Daimler und Bertelsmann vor Arbeitsrichtern scheitern und zwangen die Handelsketten Netto und Kaufland zur Zahlung von Millionenbußgeldern wegen Sozialversicherungsbetrugs.

Dass die Bundesregierung „rechtswidrige Vertragskonstruktionen bei Werkverträgen zulasten von Arbeitnehmern“ stoppen will, kommt gut an bei vielen Wählern, beunruhigt aber die Unternehmen: Nachdem Leiharbeit durch Mindestlohn und Branchenzuschläge teurer geworden ist, fürchten sie nun um die Möglichkeit, Arbeiten an Subunternehmer zu vergeben.

Ausgerechnet in dem politisch verminten Gelände findet Vera Calasan einen lukrativen Markt. Die 45-Jährige will – auf Basis rechtlich einwandfreier Werkverträge – mit ihrem Unternehmen Excellence „die Flexibilitätsreserve der Industrie 4.0“ werden. Die ehemalige Deutschland-Chefin des US-Zeitarbeitskonzerns Manpower Group hat das Unternehmen zusammen mit Partnern gegründet und stellt permanent hochkarätige Ingenieure ein.

Ende 2015, zwei Jahre nach der Gründung in Düsseldorf, soll Excellence gut 300 Mitarbeiter haben. 90 Prozent davon sind Akademiker. Das Besondere des neuen Reserve-Corps für Konzerne: Viele seiner Mitglieder beherrschen disziplin- und branchenübergreifend Mechanik und Elektronik und wirken mit an der Entwicklung vernetzter High-Tech-Produkte, teilweise im firmeneigenen Konstruktionsbüro in Köln.

Es sind Ingenieure mit 75.000 Euro Durchschnittsgehalt, deren Spezialwissen die Konzerne „nur für Projekte benötigen“, sagt Calasan. Diese wollten sich aber nicht wie Freelancer in der IT-Branche „selbst vermarkten“. Für die gebürtige Montenegrinerin, die als Kleinkind mit den Eltern nach Deutschland kam, gibt es keinen Fachkräftemangel: Es fehle nur „die richtige Expertise zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“. Einer ihrer Ingenieure, ein Hamburger, arbeitet gerade beim Motorradhersteller KTM nahe Salzburg. Andere entwickeln im Auftrag eines Chemiekonzerns die erste Autoheckklappe aus Kunststoff oder tüfteln an Elektronik bei einem Anlagenbauer.

Die Konkurrenz ist mächtig. Der schwäbische Ingenieurdienstleister Bertrandt hat 11 500, der Amsterdamer Wettbewerber Brunel 3000 Mitarbeiter im deutschsprachigen Raum. Aber Bertrandt ist vor allem Automobilentwickler, und Brunel ist Verleiher von Ingenieurteams in alle Branchen. Calasan hingegen vertraut auf „branchenübergreifenden Know-how-Transfer“. Der mache Projektarbeit immer wichtiger.

Mit rechtlich einwandfreien Vertragskonstruktionen – meist als Werkvertrag, seltener als Arbeitnehmerüberlassung – müssen Excellence und Co. den Auftraggebern dabei die Sorge nehmen, vor dem Kadi zu landen. Calasan: „Die Kunden beschreiben nur die zu erbringende Leistung. Mit welcher Vertragsform diese am besten zu realisieren ist, das Problem lösen wir.“

Nach dem Gesetz sind die Unterschiede klar. Beim Werkvertrag erbringt der Auftragnehmer – ob Maler oder Ingenieur – die vereinbarte Leistung auf eigenes Risiko und selbstständig, also ohne dass ihm der Auftraggeber Anweisungen erteilt. Bei Arbeitnehmerüberlassung hingegen stellt der Auftragnehmer Arbeitskräfte zur Verfügung. Die weist der Auftraggeber an wie seine eigenen Stammkräfte. Klingt einfach, in der Praxis aber wimmelt es von Grenzfällen, die juristisches Know-how erfordern. Die Sündenfälle namhafter Konzerne zeigen es.

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