Mario Ohoven
Der ewige Präsident

Der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft (BVMW), besonders bekannt durch seine Charity-Ehefrau Ute, liebt große Auftritte. So wird er es am Freitag genießen, wenn er in der Erfurter Messehalle spricht. Er will seinen Einfluss dauerhaft sichern.
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DÜSSELDORF. Der schillernde wie umstrittene Unternehmer Mario Ohoven bringt den Hunderten von Mitgliedern eine Überraschung mit. Sie sollen eine kleine Satzungsänderung mit großer Wirkung beschließen, die seinen Einfluss dauerhaft sichert.

Der Passus lautet sinngemäß: Wenn ein Präsident nach zwei „aufeinanderfolgenden Amtsperioden“ ausscheidet, „wird er von dem Vorstand zum Ehrenpräsidenten des BVMW ernannt“. Er wird also automatisch zum Ehrenpräsidenten befördert. Und das ist kein Frühstücksdirektor-Posten, sondern der Ehrenpräsident hat das Recht, an allen Vorstandssitzungen beratend teilzunehmen, und ein „Rederecht“.

Auf die Nachfrage, was genau das zu bedeuten habe, lässt er mitteilen: Die Änderung diene dazu, das Wissen und die Erfahrung eines ausscheidenden Präsidenten zu erhalten. Er selbst denke „eher an eine erneute Kandidatur als an den ehrenvollen ,Ruhestand'“.

Doch ob der Rheinländer zum vierten Mal gewählt wird, ist fraglich. Im Verband mehren sich die Stimmen, die sich einen anderen Präsidenten wünschen. Denn Ohoven ist bereits seit 1998 im Amt, eine Amtszeit beträgt vier Jahre. Mit der neuen Änderung hätte er den einflussreichen Ehrenposten aber ohnehin sicher.

Für den 64-jährigen gelernten Bankkaufmann aus Neuss ist die Rolle beim BVMW wichtig. Sie verschafft ihm die nötigen Kontakte für seine Finanzgeschäfte ebenso wie für die Unesco-Wohltätigkeitsgalas seiner Frau Ute Ohoven, Deutschlands Charity-Lady Nummer eins.

Kontakte und Glanz nutzte er geschickt, um mit seiner früheren Firma Investor Treuhand (IT) Filmfonds und Immobilien an Anleger zu verkaufen – nicht nur mit Erfolg. Anleger klagten. „Alle gegen Herrn Ohoven erhobenen Schadensersatzklagen sind abgewiesen worden“, sagt sein Anwalt Arno Wittmann und verweist auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs.

Inzwischen läuft das Finanzgeschäft über die Deutsche Kapitalanlagen Holding AG DeuKap. Die leitet zwar sein Sohn Michael. Doch der Vater mischt mit. So lud die DeuKap jüngst zu „Zeitgesprächen mit Prominenten“ in Köln ein. Mario Ohoven trat als Verbandspräsident und „Berater der DeuKap“ auf.

Aber auch der BVMW genießt nicht überall den besten Ruf. So wird in Berlin bemängelt, dass der Verband auf Fachebene wenig präsent sei. Und viele der angeblich 150 000 Mitglieder haben sich wohl vor allem mit der „UnternehmerCard“ locken lassen, die Rabatte vom Autokauf über Hotels bis zum Bürobedarf verspricht.

Doch den genialen Verkäufer Ohoven, der „Eskimos Kühlschränke verkaufen“ könnte (Ute Ohoven), ficht das nicht an. So wird er sicher auch die richtigen Worte finden, den Verbandsmitgliedern in Erfurt die entscheidende Satzungsänderung zu verkaufen – President forever!

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