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Geldregen für Russlands Monostädte

Sie heißen Schachty oder Asbest - Russlands Monostädte verraten manchmal schon mit ihrem Namen, wer der dominierende Brötchengeber im Ort ist. In der Finanzkrise wurden sie besonders gebeutelt. Nun können die Städte mit großzügigen Fördermitteln aus Moskau rechnen, um sich breiter aufzustellen.
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GTAI MOSKAU. Monostädte sind das Rückgrat der russischen Industrie, aber auch das größte Sorgenkind. Sie beherbergen ein Sechstel der Gesamtbevölkerung des Landes und stehen für ein Drittel der Industrieproduktion - häufig jedoch mit völlig verschlissenen Anlagen. Umso mehr hatten die Städte unter der Wirtschaftskrise von 2009 zu leiden, als Nachfrage und Preise für ihre Produkte massiv zurückgingen. Damit sanken Löhne und Steuereinnahmen, die Arbeitslosigkeit stieg. Zudem hängt das gesamte soziale Netz vom Wohlergehen des Kernbetriebs ab. Kindergärten, Heizkraftwerke oder die Lebensmittelversorgung laufen oft auf Kosten des einzigen Großunternehmens vor Ort.

Nichts offenbart Russlands Versäumnisse bei der Diversifizierung seiner Wirtschaft auffälliger als die Monostädte. Hinzu kommen die ökologischen Probleme - denn hier sind in der Regel die lautesten, schmutzigsten und gefährlichsten Industrien angesiedelt: Raffinerien, Stahlschmieden, Chemiekombinate, Zementwerke. Die Weltbank schreibt in einer aktuellen Analyse: "Viele produzieren die falschen Produkte am falschen Ort." Schon denkt Moskau über die Schließung einzelner Städte im unwirtlichen Norden des Landes nach.

Laut offizieller Definition gilt ein Ort als Monostadt, wenn wenigstens ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung in nur einem Kombinat oder einem Wirtschaftszweig angestellt ist oder wenn über die Hälfte der lokalen Indus-trieproduktion auf diesen Betrieb entfällt. Insgesamt sollen landesweit 335 Städte diese Anforderung erfüllen.

Nun plant die Regierung, diese Siedlungen mithilfe eines föderalen Programms krisensicher zu machen. Da die Finanzkraft des geschwächten Staatsetats nicht ausreicht, all diese Kommunen zu fördern, wurden zunächst die 27 wichtigsten Monostädte für einen Umbau auserkoren. Dazu gehören die Autostadt Toljatti ebenso wie Russlands Lkw-Hochburg Nabereschnye Tschelny, aber auch die nur 1 900 Einwohner zählende Wolframhauptstadt Swetlogorje im Fernen Osten. Moskau stellt in diesem Jahr eine halbe Milliarde Euro an Subventionen und vergünstigten Krediten zur Verfügung, um die in die engere Auswahl gelangten darbenden Städte aufzupäppeln. Ein besonders kräftiger Geldregen geht auf Toljatti nieder, die bekannteste und größte Monostadt. In der Heimat des russischen Massengefährts "Lada" leben mehr als 700 000 Menschen von, für und mit dem Konzern AwtoWas. Als dessen Verkaufszahlen 2009 um fast die Hälfte eingebrochen sind, drohte der Stadt der Kollaps. Eilig wurde eine neue föderale Sonderwirtschaftszone gegründet, um Hochtechnologie in der Stadt an der Wolga anzusiedeln. Der Staat stellt allein 2010 umgerechnet rund 15 Millionen Euro für den Aufbau des "Schiguli-Valley" zur Verfügung. Schon in zwei Jahren sollen die ersten Hightechfirmen auf dem 660 Hektar großen Areal ihre Arbeit aufnehmen. Unklar ist jedoch, ob sich genügend Investoren finden, denn an Sonderwirtschaftszonen mangelt es in Russland nicht.

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