Marktchancen in Rumänien
Niedrige Löhne, strenge Auflagen

Nach einem holprigen Reformweg gehört Rumänien seit Jahresbeginn zur Europäischen Union. Dabei gelten strengere Auflagen als bei früheren Erweiterungsrunden – und das hat seinen Grund.

bfai/HB BUKAREST. Halbjährlich muss die Regierung Berichte über die Anpassung an EU-Standards vorlegen. Ohne weitere Fortschritte können Schutzklauseln die Rechte des Neumitglieds einschränken. Trotz Hochstimmung bleibt Bukarest realistisch. Zu feiern gäbe es nur ein Etappenziel.

„Vom Beitritt bis zur Integration in die EU ist es ein weiter Weg“, sagt Staatspräsident Traian Bäsescu. Er warnt vor zu hohen Erwartungen und der Illusion, dass „sich der Wohlstand jetzt von allein einstellt. Uns steht noch viel Arbeit bevor“.

Rumänien rechnet bis 2013 mit rund 32 Milliarden Euro aus Brüssel. Etwa dieselbe Summe will das Land als Eigenbeitrag aufbringen. Selbst wenn die Finanzhilfen erfahrungsgemäß nicht komplett abgerufen werden können, stehen in den nächsten Jahren beachtliche Beträge für die Entwicklung des Landes bereit.

Die deutsche Wirtschaft hat Erfahrung im Umgang mit der EU-Bürokratie, ein Know-how, das sie in Rumänien einbringen kann. Vor allem in den Bereichen kommunale Infrastrukturprojekte, Umwelttechnik, Nahrungsgüterindustrie, aber auch Metallbearbeitung, Informationstechnologie und Elektrotechnik dürften sich günstige Marktchancen ergeben. Rumänien entwickelt sich weg von Niedriglohnbranchen und hin zu technisch anspruchsvolleren Bereichen wie der Kfz-Zulieferindustrie.

Trotzdem: Entscheidend für viele Investoren dürfte auch weiterhin das niedrige Lohnniveau bleiben. Einige Analysten setzen die jüngsten FDI-Erfolge Rumäniens zudem mit der Einführung der Flat tax (von 16%) in Verbindung.

Die Wirtschaft des Balkanlandes expandiert seit 2000 im Jahresdurchschnitt um über fünf Prozent. Die weiteren Prognosen sind vielversprechend. Die Investitionen aus dem Ausland verdreifachten sich in den letzten Jahren auf derzeit etwa acht Milliarden Euro. Rumänien rechnet verstärkt mit Investitionen auf der grünen Wiese, nachdem die Privatisierung der großen Staatsunternehmen fast abgeschlossen ist.

Mit knapp 22 Millionen Menschen stellt das Land einen interessanten Absatzmarkt für Deutschland dar. Mit dem Beitritt fallen die letzten Zollschranken: Weitere Chancen für Zulieferer bestehen vor allem bei Nahrungsmitteln.

Die ersten positiven Auswirkungen der EU-Mitgliedschaft spüren Unternehmer, die bereits mit Rumänien Handel treiben. „Die deutsche Wirtschaft empfindet es als befreiend, dass die Zollproblematik wegfällt und Rumänien den Übergang ins neue EU-Zollwesen schafft“, sagt Dirk Rütze, Geschäftsführer der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer. „Das verspricht eine wesentliche Erleichterung für den Warenaustausch. Sowohl für deutsche Unternehmen, die in Rumänien für den europäischen Markt produzieren, als auch für die, die ihre Waren in Rumänien absetzen oder von dort Produkte beziehen.“

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