Marktlücken
Urlaub bei den Massai

"Klein und fein" heißt der Trend in Kenias Tourismus. Das Land setzt auf Wachstum, aber nicht auf Massenzustrom. Auch Unternehmner aus Deutschland sehen noch Marktlücken im Ostafrikatourismus, vor allem im Luxussegment.

NAIROBI. Luxuszelte mitten im Busch haben ökologischen Charakter, und der ist von den Tourismusbehörden erwünscht. Zudem „versuchen wir möglichst, die umliegenden Massaidörfer einzubinden“, sagt Peter Böheim, der seit mehr als zehn Jahren in Kenia arbeitet. Mit einem Partner aus der örtlichen deutschen Gemeinde betreibt er ein kleines Camp in der Massai Mara, dem beliebtesten Wildschutzreservat in der Savanne des ostafrikanischen Hochlands. Im Jahr 2000 hat er sein „Phoenix Safaris“-Reisebüro gegründet, das wie viele Anbieter in Kenia kleine Besuchergruppen und Individualreisende betreut.

Rund 200 000 US-Dollar hatte Böheim in sein Camp samt Geländewagen investiert, die Gewinnschwelle sollte binnen drei Jahren erreicht sein. Die Realität hat ihn eingeholt: Er muss mehr investieren als geplant, ein eigenes Bohrloch zur Wasserversorgung von Camp und Massaidorf sowie der Bau einer Schule stehen an. „Man muss langfristig denken und Rückhalt in der örtlichen Bevölkerung schaffen“, betont Böheim, der die Menschen im Land über monatliche Pachtzahlungen, Umsatzbeteiligungen, Arbeitsplätze und den Verkauf heimischer Speisen einbindet. Der Unternehmer sieht noch Marktlücken im Ostafrikatourismus, vor allem im Luxussegment. „Auch im Küstentourismus gibt es noch Möglichkeiten“, meint er. Für Kooperationen mit weiteren Partnern aus der Branche ist er offen.

Die Touristenzahlen steigen

An der Küste des Landes werden viele Anlagen modernisiert, die Hoteliers stocken ihre Bettenkapazitäten im oberen Marktsegment auf. Sie setzen auf Konferenz- und Golftourismus. Das ist Erfolg versprechend, denn allein 2005 haben 186 internationale Zusammenkünfte vor allem in Nairobi stattgefunden.

Politische Unruhen und Terroranschläge haben der Branche in den vergangenen zehn Jahren herbe Rückschläge versetzt. Inzwischen legen die Touristenzahlen in Kenia wieder zu: Indischer Ozean und Wildlife, in „Bush & Beach“-Arrangements perfekt dargeboten, locken wieder mehr Reisende. Selbst US-Touristen lassen sich von den noch bestehenden Reisewarnungen ihrer Regierung nicht mehr abhalten. Die meisten Besucher kommen wei-terhin aus Großbritannien, gefolgt von Deutschland und Italien. Aus Deutschland reisten 2005 mehr als 75 000 Menschen nach Kenia, eine Steigerung um rund 50 Prozent gegenüber 2003. Neue Kunden erschließt sich das Land in Japan, der Volksrepublik China und Indien.

Der Tourismus trägt rund zehn Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Er ist der bedeutendste Arbeitgeber und seit Jahren der größte Devisenbringer, vor Tee als wichtigstem Agrarexportprodukt. Kenia bietet gut ausgebildete Arbeitskräfte für die Branche und besitzt die einzige Hotelfachschule in der Region. Doch die Regierung müsse die marode Infrastruktur modernisieren, die Bürokratie abbauen und die Korruption bekämpfen, monieren Kritiker. Europäische Investoren spielen eine wichtige Rolle im Keniatourismus. So ist ein Teil der Nordküste in italienischer Hand. Auch viele Deutsche haben sich an der Küste niedergelassen und betreiben zum Teil kleine Hotels und Reisebüros.

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