Martin Fischedick
„Nachfrage nach neuen Kreditlinien bleibt aus“

Als zweitgrößte deutsche Bank hat die Commerzbank einen tiefen Einblick in die Finanzierung hiesiger Unternehmen. Über die Trends und Perspektiven sprach Hans G. Nagl mit Martin Fischedick, Bereichsvorstand Mittelstandsbank.
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Handelsblatt: Stellen Sie ebenfalls fest, dass die Unternehmen im derzeitigen Aufschwung deutlich zurückhaltender sind, Kredite nachzufragen?

Martin Fischedick: Eine Zurückhaltung in der Kreditnachfrage können wir nicht feststellen. Bemerkbar ist, dass die Kreditinanspruchnahmen in diesem Jahr nicht gewachsen sind und dass der Mittelstand im Durchschnitt über erhebliche nicht ausgeschöpfte Kreditlinien verfügt.

Was sind die Gründe?

Wir führen dies unverändert darauf zurück, dass die Unternehmen in der Krise ihren Bedarf an working capital, also dem Umlaufvermögen abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten, optimiert haben. Dieser Effekt hält unverändert an, so dass die Nachfrage nach neuen Kreditlinien noch ausbleibt. Wir gehen davon aus, dass sich die Nachfrage im Jahr 2011 beleben wird.

Gibt es nicht vielmehr eine Art neuer Vorsicht der Unternehmen, sich nach den Erfahrungen der Krise wieder zu verschulden?

Die Diversifizierung an Refinanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen hat sich in der Krise verringert. Wir gehen davon aus, dass sich die Unternehmen zukünftig wieder breiter aufstellen werden. Goldene Finanzierungsregeln werden wieder stärker beachtet werden. Da der deutsche Mittelstand sich schon vor der Krise sehr umsichtig verhalten hat und auch in der Krise sehr angemessen und sofort mit der Reduzierung der Betriebsmittel und ähnlicher Maßnahmen reagiert hat, können wir eine neue Vorsicht nicht beobachten.

Welche Rolle spielen Finanzierungsalternativen wie etwa Anleihen oder auch Schuldscheindarlehen?

Finanzierungsalternativen wie Anleihen, Schuldscheine aber auch Eigenkapitalfonds spielen langsam wieder eine stärkere Rolle. Wir sehen darin einen begrüßenswerten Trend zurück zur Normalität.

Müssen wir angesichts der Zurückhaltung nicht eine Kreditschwemme und damit Margendruck befürchten?

Wir glauben nicht an eine dauerhafte Zurückhaltung auf der Nachfrageseite. Feststellen können wir aber jetzt schon eine Rückkehr einiger Anbieter, die sich in der Krise vom Mittelstand verabschiedet hatten. Dieses wird Margendruck auslösen, wobei auf mittlere Sicht Vorzieheffekte der neuen Bankenregulierung im Rahmen von Basel III den Margendruck relativieren könnten.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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