Martin Plendl
„Mittelständler wollen Beratung aus einer Hand“

In der Managementberatung sehen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ein viel versprechendes Wachstumsfeld. Deloitte Consulting ist im deutschen Beratungsmarkt die Nummer fünf. Der Deutschland-Chef Martin Plendl spricht im Interview mit dem Handelsblatt über den ganzheitlichen Beratungsansatz.
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Handelsblatt: Wo liegt der Vorteil für Firmen, sich von einem Wirtschaftsprüfer beraten zu lassen?

Martin Plendl: Die Welt der Wirtschaft wird immer komplexer. Deshalb fragen Unternehmen verstärkt ganzheitliche Beratung aus einer Hand nach - gerade auch Mittelständler, die viel global unterwegs sind.

Was kann Ihr Haus mehr leisten als eine klassische Managementberatung?

Deloitte deckt alle Felder ab: von der Strategieberatung über die Due-Diligence-Prüfung und Finanzierungsberatung sowie die Klärung von regulatorischen und steuerlichen Fragen bis hin zur weltweiten Implementierung von Unternehmensabläufen und Informationstechnik. Das können nur ganz wenige. Unsere 170 000 Experten in 140 Ländern sind als interdisziplinäre Teams gut eingespielt und befruchten sich gegenseitig. Wer für jede Teilfragestellung einen anderen Berater braucht, riskiert hohe Reibungsverluste.

Nach dem EnronSkandal von 2001 haben die meisten Wirtschaftsprüfer ihren Beratungsarm verkauft. Warum Deloitte nicht?

Wir waren der Überzeugung, dass wir diese Kompetenzen zur hochqualitativen Betreuung unserer Kunden benötigen. Diese Entscheidung hat sich als richtig erwiesen. Nur so konnte sich Deloitte zum weltgrößten Beratungsdienstleister mit 7,5 Mrd. US-Dollar Umsatz entwickeln. Consulting macht rund ein Viertel unseres Geschäfts aus, den Anteil wollen wir auf ein Drittel ausbauen.

Es gibt Gerüchte, Deloitte hätte Interesse am Kauf einer großen Strategieberatung. Was ist da dran?

Wir beobachten und analysieren laufend den Markt und prüfen im Rahmen unserer Strategie Möglichkeiten. Konkrete Pläne gibt es derzeit nicht.

Handelsblatt: Sie müssen ohnehin abwarten. EU-Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier hat gerade ein Grünbuch vorgelegt, das die strikte Trennung von Prüfungs- und Beratungsdiensten verlangt. Bedeutet das womöglich das Ende Ihres Geschäftsmodells?

Fakt ist: Deloitte macht seinen Beratungsumsatz überwiegend mit Nicht-Prüfungskunden. Bei diesen Unternehmen stellt sich die Frage der Unabhängigkeit und Vereinbarkeit nicht. Nicht börsennotierte Firmen wollen meist Service aus einer Hand. Börsennotierte Prüfungsmandanten trennen zunehmend über die gesetzlichen Vorgaben hinaus zwischen Prüfung und Beratung durch unterschiedliche Prüfungs- und Beratungsgesellschaften. Für eine Verschärfung der gesetzlichen Regelungen besteht keine Notwendigkeit.

Aber warum gibt es dann Stimmen, die vehement striktere Regeln fordern?

Der Ruf nach Trennung von Prüfung und Beratung kommt häufig von Firmen, die den Weg in die Beratung nicht gegangen sind und dadurch mit den Wettbewerbern nicht mehr mithalten können. Schließlich ist das reine Prüfgeschäft sehr stark saisonabhängig.

Schauen Sie mit bangem Blick nach Brüssel?

Insgesamt ist das Grünbuch der EU-Kommission eine positive Initiative, um die Rolle der Abschlussprüfer und ihrer Prüfungsleistung zu stärken. Ich bin überzeugt, dass wir letztlich zu einer sachgerechten Lösung in Brüssel kommen werden.

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