Maschinenbau
Malaysische Industrie kommt nicht voran

Automatisierung spielt in der malaysischen Industrie eine große Rolle - und trotzdem geht diese nur schleppend voran. Der Ausrüstungsbedarf wird zwar meist importiert. Aber der Markteintritt für ausländische Unternehmen ist keine leichte Aufgabe.
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KUALA LUMPUR. Bedeutende Teile der malaysischen Industrie arbeiten nicht- oder nur semi-automatisiert, und auch die lokale Produktion von Automatisierungstechnik steht trotz staatlicher Förderung noch am Anfang ihrer Entwicklung. Das Land ist daher stark auf Importe angewiesen. Obwohl ausländische Technik gefragt ist, gilt die Erschließung des lokalen Marktes als langwierig. Für Unternehmen, die bereit sind, Zeit und Geld in eine eigene Vertretung vor Ort zu investieren, bieten sich jedoch gute Chancen.

Der Automatisierungsgrad von Malaysias verarbeitendem Gewerbe weist abhängig von der Branche und Betriebsgröße deutliche Unterschiede auf. Während die großen Firmen vor allem in den Bereichen Elektronik und Elektrotechnik (E&E), Öl und Gas sowie Wasser und Strom seit Langem vollautomatisiert arbeiten, läuft die Produktion in vielen Industrieunternehmen semi- oder nicht-automatisiert ab. Dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die im Jahr 2005 für rund 25% der Wertschöpfung der gesamten Industrie standen. Vor dem Hintergrund steigender Kosten für lokale Arbeitskräfte setzen vor allem die arbeitsintensiven Branchen langfristig ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel. Häufig wird in der Folge auf günstigere Fremdarbeiter zurückgegriffen oder - wo möglich - mit der Auslagerung einfacher Tätigkeiten in Niedriglohnländer reagiert, anstatt in effizientere Fertigungsprozesse zu investieren.

Die malaysische Regierung möchte dieser Entwicklung entgegensteuern und die Wertschöpfung der Industrie durch die Modernisierung und Automatisierung der Betriebe langfristig steigern. Bereits im Rahmen des "Ninth Malaysia Plan 2006-2010" hat sie die Einrichtung eines "Automation Fund" beschlossen, auf dessen Mittel die Unternehmen zu diesem Zweck zurückgreifen können. Für den Import von Maschinen, Ausrüstungen und deren Teile (HS-Codes 84.32 bis 84.79, 84.86 bis 84.87) gilt zudem ein Regelzollsatz von 0%. Die Weltwirtschaftskrise erschwert jedoch die Bemühungen der Industrie, ihre Fertigung umzustellen. Absatzeinbrüche in einigen Branchen sowie Finanzierungsprobleme haben dazu geführt, dass eine Reihe von Projekten auf Eis gelegt wurde. Branchenkenner schätzen den Nachfragerückgang in der Automatisierungstechnik seit Ende 2008 auf 25 bis 30%.

Besonders hart getroffen hat es die stark exportorientierte E&E-Industrie, die zu den größten Abnehmern von Automatisierungstechnik in Malaysia zählt. Im Jahr 2009 dürften die Investitionen in der Branche entsprechend gering ausfallen, nachdem die Anzahl der genehmigten Projekte 2008 bereits um 8,3% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen war. Positiver wird die Lage in den Versorgungsbereichen Wasser und Strom sowie in der Öl- und Gasindustrie eingeschätzt, wo auch in Zukunft neue Automatisierungsprojekte anstehen dürften. Eine stabile Nachfrage wird laut Brancheninformationen auch aus der relativ krisenresistenten Nahrungsmittelverarbeitung und der pharmazeutischen Industrie verzeichnet.

Als Abnehmer kommen weiterhin die Kunststoffindustrie, die bereits auf hohem technischem Niveau produziert, sowie Unternehmen aus der Sparte Zement und -erzeugnisse in Betracht. Außerdem wird mit einem Bedarf in der zum Teil bereits automatisiert arbeitenden Palmölindustrie gerechnet. Malaysia ist der weltweit größte Exporteur von Palmöl und konnte seine Produktion 2008 mengenmäßig um knapp 12% gegenüber 2007 steigern. Ein dringender Modernisierungsbedarf besteht in der Produktion von Gummierzeugnissen sowie in der Holzverarbeitung und der Fertigung von Möbeln. Schätzungen zufolge beträgt der Anteil von KMU in der Herstellung von Holzprodukten über 80%. Deren Bereitschaft, in entsprechende Technik zu investieren, ist laut Brancheninformationen jedoch gering.

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