Maßgeschneiderte Derivate
Keine Angst vor einem starken Euro

Die Kurskorrektur des Euro ist für viele mittelständische Exporteure eine Wohltat. Dass viele Analysten vorerst keine Rückkehr der europäischen Gemeinschaftswährung auf ihre alten Höchststände erwarten, vermittelt den Firmen allerdings eine trügerische Ruhe. Denn eine nachhaltige Entspannung am Devisenmarkt ist ebenfalls nicht in Sicht. Banken bieten Firmen deshalb eine breite Palette an maßgeschneiderten Derivaten zur Absicherung gegen Währungsrisiken.

FRANKFURT. Der scheinbar unaufhaltsame Anstieg des Euro hat einen heftigen Dämpfer erhalten. Innerhalb kurzer Zeit fiel der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung seit Mitte Juli von knapp 1,60 Dollar auf weniger als 1,50 Dollar zurück. Das ist zwar nur eine kleine Gegenbewegung, angesichts des vorhergehenden mehrjährigen Anstiegs um mehr als zwei Drittel. Dennoch ist die Korrektur für viele mittelständische Exporteure eine Wohltat, da sie die Umsatzeinbußen im Dollar-Raum zumindest ein Stück weit bremsen kann.

Dass viele Analysten vorerst keine Rückkehr des Euro auf seine alten Höchststände erwarten, vermittelt den Firmen allerdings eine trügerische Ruhe. Denn eine nachhaltige Entspannung am Devisenmarkt ist ebenfalls nicht in Sicht - und zwar nicht nur im Euro-Dollar-Verhältnis, sondern auch bei anderen Währungen: "Je nachdem, wie stark die Weltwirtschaft wackeln wird, wird die Unsicherheit eine ganze Weile anhalten. In der Folge werden sich die Kapitalströme verschieben und auch die Wechselkurse in Bewegung kommen", sagt Stefan Bender, Leiter des Devisengeschäfts der Deutschen Bank.

Umso wichtiger ist ein effizientes Währungsmanagement - insbesondere für Unternehmen, die einen hohen Umsatzanteil außerhalb der Euro-Zone erwirtschaften. Großkonzerne haben es dabei insofern leichter, als sie einen Teil der Produktion ins Ausland verlagern oder den Vertrieb über ausländische Tochtergesellschaften verstärken können.

Für viele Mittelständler ist dieses "natürliche Hedging" dagegen keine Option. Allerdings haben sich auch für sie die Möglichkeiten, Währungsrisiken abzufedern, in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Je nach Risikoneigung können kleinere Unternehmen aus einer Vielzahl von Absicherungsprodukten wählen: angefangen von klassischen Terminmarktgeschäften bis hin zu komplexen Strukturen, die durch die Zusammenbindung verschiedener Optionen je nach Entwicklung am Devisenmarkt passende Auszahlungsszenarien vorsehen.

"Je stärker ich im Wettbewerb stehe, desto wichtiger ist meine Währungsposition", sagt Bender, Devisenexperte der Deutschen Bank. Die meisten Unternehmen hätten das erkannt, lobt er. Die konkrete Ausgestaltung des Währungsmanagements sei hingegen vielfach nicht optimal: So seien in den vergangenen Monaten, als der Eurokurs immer höher stieg, die Absicherungsquoten zurückgegangen, weil Unternehmen die hohen Kosten des Hedgings scheuten. Gleichzeitig hätten die Firmen die Laufzeiten der Absicherungsgeschäfte deutlich verkürzt, wodurch sie häufiger zu höheren Preisen umschichten mussten. "Bei vielen Unternehmen wurde die Dollar-Abwertung nicht gesehen und auch nicht entsprechend budgetiert", hat Bender beobachtet.

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