Medien: Nordrhein-Westfalen trauert um WAZ-Verlegerin Brost

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Nordrhein-Westfalen trauert um WAZ-Verlegerin Brost

Anneliese Brost ist tot. Die Gesellschafterin der WAZ-Mediengruppe ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Anneliese Brost war die Geburtshelferin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung und rechte Hand ihres legendären Gründers Erich Brost. Für die WAZ geht damit eine Ära zu Ende - und die deutsche Medienlandschaft hat eine bedeutende Persönlichkeit verloren.
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HB DÜSSELDORF. Trauer in Nordrhein-Westfalen. Anneliese Brost ist gestern Abend im Alter von 90 Jahren gestorben. Damit endet bei der WAZ-Mediengruppe eine Ära. Die Verlagsgesellschaft trägt zwar den Namen ihres Mannes Erich Brost und den von Jakob Funke, aber Anneliese Brost galt von Anfang als rechte Hand der beiden WAZ-Gründer. Sie war Sekretärin, Ratgeberin und Vertraute - die 1947 gemeinsam mit Brosts Mutter den damals noch unentschlossenen Erich Brost letztlich dazu brachte, die Westdeutschen Allgemeine Zeitung zu gründen.

So gesehen war Anneliese Brost die Geburtshelferin der Zeitung, die über Jahrzehnte und bis heute die Geschichte des Ruhrgebiets schreibt. 1949, nur ein Jahr nach der Gründung, lag die Auflage der WAZ bereits bei 327000 Exemplaren.

Im Laufe der Jahrzehnte ist aus Nachkriegsgründung ein Zeitungsimperium geworden – WAZ, Neue Ruhr Zeitung, Neue Rhein Zeitung, Westfälische Rundschau, Westfalenpost. Mit all ihren Titel liegt die Auflage der WAZ-Mediengruppe heute bei gut 950000 Exemplaren, die laut Verlagsangaben 59 Prozent der Gesamtfläche Nordrhein-Westfalens abdecken. Europaweit erreicht die WAZ-Gruppe mit ihren Beteiligungen gar 2,5 Millionen Menschen. Am Tag. Eine publizistische Großmacht, an der die Familie Brost heute noch die Hälfte der Anteile inne hat.

Mit dem Tode ihres Mannes vor 15 Jahren nahm die Frau des Chefs der WAZ seinen Platz ein. An der Brost Verwaltungs-GmbH hielt Anneliese Brost 60 Prozent. Der Umsatz der WAZ-Gruppe lag 2008 bei 1,25 Milliarden Euro.

Die Gesellschafterin der WAZ-Mediengruppe hat die Geschicke der großen Ruhr-Zeitung seit deren Gründung 1948 mitbegleitet und mitgelebt. Für Brost war die WAZ mehr als nur ein kommerziell erfolgreiches Produkt. Noch kurz vor ihrem Tode sagte sie in einem Interview mit ihrer WAZ, dass "Zeitungen kein normales Wirtschaftsprodukt, sondern etwas Verantwortungsvolles" seien. Schwarze Zahlen hatte natürlich auch Brost im Blick. "Aber Profitgier, die heute leider allzu modisch ist, treibt uns nicht um. Wer gierig ist, darf kein Mediengeschäft haben."

Gierig war Anneliese Brost nie. Ganz im Gegenteil. Gelebtes soziales Engagement zeichnete sie aus. Berühmt, zum Schmunzeln und letztlich auch typisch für die selbstlose Regentin von der Ruhr ist die Geschichte vom Chalet in der Schweiz, auf das Brost lieber zugunsten der Unterstützung eines Essener Kinderheims verzichtete.

Eine Stütze war Brost auch der Arbeiterwohlfahrt, dem Folkwang-Museum, der "Zeche Zollverein". Senioren half sie mit dem Anneliese-Brost-Zentrum. Die Liste ließe sich fortsetzen. 2004 wurde ihr vom Land Nordrhein-Westfalen für ihr Engagement der Staatspreis, die höchste Auszeichnung des Landes verliehen. Vier Jahre später erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Mit ihrem Tod ist die deutsche Medienlandschaft um eine große Persönlichkeit ärmer geworden.

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