Medizin-Start-ups im Pitch: Von E-Rollatoren und smarten OP-Handschuhen

Medizin-Start-ups im Pitch
Von E-Rollatoren und smarten OP-Handschuhen

Innovative Gründer mischen die Gesundheitsbranche auf. Auf einem Pitch in Essen kämpfen zehn um die Gunst und das Kapital von Business-Angels. Vor so einigen Start-ups sollten sich Medizinkonzerne in Acht nehmen.

Essen Die Location für den Pitch ist passend gewählt. Die Gründer von zehn Medizin-Start-ups kämpfen in einem nüchternen Hörsaal des Elisabeth Krankenhauses in Essen um die Gunst von Business-Angels. So sieht die „Höhle der Löwen“ für Gründer im realen Leben aus – fernab des TV-Glamours. Genau sieben Minuten hat jedes Start-ups Zeit, seine Geschäftsidee zu präsentieren. Danach können interessierte Investoren fünf Minuten Fragen stellen.

Die Gründer sind sichtlich nervös – schließlich geht es um viel: Geld und Mentoren, um ihr Start-up zum Fliegen zu bringen. Denn Business-Angel helfen mit zwei Flügeln: Kapital und Know-how. Veranstalter ist die Business Angel Agentur Ruhr (BAAR), eine der ältesten Verbände dieser Art in Deutschland.

Grund zur Nervosität haben nicht nur die Gründer – es sind vor allem die etablierten Pharmaunternehmen. Denn sie fürchten nach einer Umfrage nicht etwa ihre direkten Wettbewerber, sondern Start-ups am allermeisten als Konkurrenz. Der Gesundheitsmarkt befindet sich derzeit komplett im Umbruch.

Den Anfang beim Pitch macht Sonovum . Das Leipziger Start-up hat ein Stirnband entwickelt, das das Gehirn in Echtzeit per Ultraschall überwachen kann. „So lässt sich schnell eine Diagnose stellen – ohne OP und ohne Strahlenbelastung und dazu zu einem Bruchteil der Kosten von Computertomograph oder MRT“, wirbt Vertriebsleiter Konrad Sell. Die Business-Angels fragen kritisch nach Wettbewerbern. „Die gibt es, aber die messen nur den Zustand des Hirngewebes, nicht die Dynamik“, sagt Sell. Für bis zu zwei Millionen Euro Investment bietet Sonovum bis zu 17 Prozent der Anteile.

Emovements aus Stuttgart hat einen intelligenten E-Rollator entwickelt. Der Elektroantrieb macht das Bergauf- und Bergabfahren bequemer und kann Hindernisse wie Bordsteinkanten leichter überwinden. GPS-Notruf und Beleuchtung gehören zur Grundausstattung. „600.000 Deutsche kaufen im Jahr einen Rollator. Tendenz steigend“, sagt Ingenieur Max Keßler und wirft ein Bild an die Wand, auf dem sich ein Affe vom Urmenschen zum Homo Erectus und am Ende zum Rollator-Fahrer entwickelt. Gelächter im Saal.

Für 1700 Euro wollen die drei Gründer den smarten Rollator im Laden vertreiben. „Bei Aldi gibt es welche ab 65 Euro, unser einziger Konkurrent bietet Ähnliches, aber für bis zu 7.500 Euro. Viel zu teuer.“ Die Investoren fragen nach Lebenszeit des Akkus, Marge und Vertriebspartnern. Keßler pariert alle Fragen und sagt dann: „Ich lade Sie gerne zu einer Testfahrt ein. Der Rollator steht draußen.“

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