Medizintechnik
Mit blauem Auge durch die Krise

Noch einmal Glück gehabt: Die Medizintechnik-Branche kommt wohl ohne größere Blessuren durch die Krise. Der diesjährig erwartete Umsatzrückgang wird vor allem mit dem Sinken des Exportgeschäftes erklärt. Für das kommende Jahr gibt sich die Branche vorsichtig optimistisch - auch dank eines recht stabilen Deutschlandgeschäftes.
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DÜSSELDORF. Mit einem blauen Auge sind die deutschen Hersteller von Medizintechnik bislang durch die Wirtschaftskrise gekommen. "Zwar spüren die 1 250 zumeist mittelständischen Medizintechnikhersteller mit insgesamt 99 000 Beschäftigten die Auswirkungen der Krise, doch bisher zeigt sich die Branche noch überwiegend stabil," sagte Sven Behrens, Geschäftsführer des Fachverbands Medizintechnik Spectaris anlässlich der Düsseldorfer Medica (18. bis 21. November). Die Messe belegt mit 4 300 Ausstellern aus 60 Nationen alle 19 Hallen des Geländes.

Für das gesamte Jahr erwartet Spectaris ein Umsatzminus von drei bis vier Prozent. Im vergangenen Jahr setzte die Branche 17,7 Mrd. Euro um. Die Zahl der Beschäftigten werde aber gehalten, sagte Behrens. Im Vorjahr war sie um 4,4 Prozent gestiegen.Getragen wurde die positive Umsatzentwicklung zuletzt von Zuwächsen im Auslandsgeschäft. Der Auslandsumsatz legte 2008 um 3,5 Prozent auf 11,5 Mrd. Euro zu. Die Exportquote lag damit bei 65 Prozent. Im Jahr 2000 betrug sie noch 51 Prozent.

Weltweit ist Deutschland die Nummer drei im Markt für Medizintechnik nach den USA und Japan mit einem Anteil von zehn Prozent. Zwar dominiert Siemens den Markt, der einer der größten Anbieter bei bildgebenden Verfahren ist. Aber auf der Medica fehlen die Münchener in diesem Jahr ebenso wie der große OP-Saal-Ausstatter Maquet. Geprägt wird der Markt aber von Mittelständler und Familienunternehmen, wie beispielsweise BBraun Melsungen, Carl Zeiss, Dräger, der Endoskopie-Hersteller Karl Storz oder Verbandsspezialist Paul Hartmann und auch Erbe Elektromedizin. Allerdings fehlen auch einige der großen Mittelständler auf der Medica. Viele Unternehmen haben ihre Marketingstrategie überdacht und gehen lieber auf Medizin-Kongresse, wo sie ihre Kunden direkt ansprechen können.

Ausschlaggebend für den Umsatzrückgang der Branche in diesem Jahr sei das Exportgeschäft, so Behrens. Es werde um sechs Prozent sinken. Angesichts der hohen Exportquote der Branche wirke sich dies entsprechend stark auf das Gesamtergebnis aus. Insbesondere die wichtigen Absatzmärkte Russland, Türkei, Spanien , Großbritannien sowie die USA bereiteten den Unternehmen mit Umsatzrückgängen zum Teil im zweistelligen Prozentbereich Schwierigkeiten. Wachstumsimpulse gingen dagegen nach wie vor von China sowie dem Nahen und Mittleren Osten aus.

In Deutschland habe sich das Geschäft nach schwachem Beginn erholt. Behrens erwartet für das Gesamtjahr sogar ein leichtes Umsatzplus von mindestens zwei Prozent. Dies zeige, dass viele Ärzte und Kliniken das hohe Einsparpotenzial innovativer Technik erkannt hätten.

Für 2010 ist Behrens optimistisch und rechnet insgesamt wieder mit einem Umsatzplus, das drei Prozent erreichen könnte. Wegen des Nachholbedarfs auf vielen Märkten kämen wieder starke Impulse aus dem Exportgeschäft. In Deutschland stützten die Konjunkturprogramme, die hohe Innovationskraft der Branche und die relativ konstante Nachfrage im Gesundheitswesen den Markt.

Die mittelständische Medizintechnik-Branche strotze vor Innovationskraft, sagte Hans-Peter Bursig vom Elektrotechnikverband ZVEI. Doch sei der Gesundheitsmarkt innovationsfeindlich. Aufwendige bürokratische Verfahren und Anforderungen seien besonders für mittelständische Unternehmen eine große Belastung.

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