Messen fürchten Plagiate
Deutsche Veranstalter geraten in China unter Druck

Der Kampf der Industrie gegen chinesische Produktpiraterie ist ein Thema, das stets aktuell bleibt. Nun sehen sich jedoch auch gen Osten expandierende Messeunternehmen zusehends Kopien ihrer eigenen Konzepte gegenüber – und müssen die bittere Pille im Hinblick auf den Wachstumsmarkt China schlucken.

KÖLN. Wenn ein Messeveranstalter wenige Wochen vor Messeauftakt mehr als 500 Ausstellern mitteilen muss, dass sich die Veranstaltung verschiebt, dann hat er ein Problem. In genau diese Situation geriet Ende August vergangenen Jahres die chinesische Dependance der Deutschen Messe AG, als ihr die Shanghaier Stadtverwaltung die Lizenz für vier von sechs Veranstaltungen verweigerte. Statt Mitte Oktober mussten die deutschen Auslandsmessen Anfang November stattfinden. Und sich einer chinesischen Industriemesse anschließen.

„Die Chinesen werden immer selbstbewusster und lassen diese wachsende Selbstsicherheit auch gegenüber ausländischen Partnern spüren“, sagt Natalja Winges vom deutschen Branchenverband AUMA. Die Besorgnis steigt, dass die chinesischen Veranstalter ihre politische Macht dazu nutzen könnten, ausländische Veranstalter in die Ecke zu drängen.

Chinesische Messeveranstalter studieren emsig die ausländischen Vorbilder und scheuen nicht das Plagiat. „Die Chinesen sind Weltmeister im Kopieren“, sagt Roland Stoeck von der Unternehmensberatung Roland Berger. Immer öfter stoßen deutsche Messegesellschaften auf chinesische Messen, die ihren eigenen Veranstaltungen inklusive Logo zum Verwechseln ähnlich sehen. „Die Chinesen sind sehr geschickt, Themen zum richtigen Zeitpunkt zu platzieren“, beobachtet Axel Bartkus, Geschäftsführer der Nürnberg-Messe China. Die Messe Frankfurt entdeckte unlängst sogar eine chinesische Broschüre gegen das Raubkopieren, die selbst Wort zu Wort vom Frankfurter Original abgekupfert worden war.

„China ist für die Messewirtschaft weltweit einer der interessantesten und dynamischsten Märkte“, sagt Messeberater Roland Stoeck. Die Wachstumsrate schätzt der Branchenkenner auf 20 Prozent, das Umsatzvolumen auf 650 bis 750 Mill. Dollar. Verglichen mit dem deutschen Markt von 2,45 Mrd. Euro ist das wenig - und lässt beträchtliche Zuwächse erwarten. Zwischen 1997 und 2006 hat sich die Zahl der Messen in China von 1000 auf 3800 fast vervierfacht. Überall entstehen neue Standorte, die dem Messemekka Shanghai Konkurrenz machen. Und dort, in der Stadt der Superlative, will allein das modernste Messegelände, das Shanghai New International Expo Center, seine Hallenflächen bis zur Weltausstellung 2010 auf 200 000 Quadratmeter verdoppeln.

Boom der Marktplätze

Langer Anlauf:

Seit Jahren bringen deutsche Messeveranstalter Know-How, Vertriebswege und Ausstellerkontakte nach China und organisieren einige der wichtigsten Messen vor Ort. Viele Hallenvermieter haben Tochterunternehmen in China gegründet, die zusammen mit chinesischen Partnern neue Veranstaltungen ins Leben rufen, oft Ableger deutscher Leitmessen.

Mehr Wettbewerb: 2006 organisierten deutsche Veranstalter bereits 66 Messen in China, in diesem Jahr werden es nach Angaben des Messeverbands AUMA 72 sein. Die meisten Events machen die Messe Frankfurt, die Deutsche Messe AG in Hannover und die Messe München. Auch kleinere Veranstalter planen immer mehr neue Auslandsmessen.

Trendthema Food: Aktuell sind Lebensmittel das Thema Nummer Eins. Die Messe Nürnberg hat Ende Mai in Shanghai eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, im Sommer ging sie mit der „Biofach China“ ins Rennen, dem vierten Ableger ihrer Öko-Messe. Im September fanden in Shanghai gleichzeitig drei Süßigkeiten- und Lebensmittelschauen der Kölnmesse statt.

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