Metallbauer
Die Werkshalle als Atelier

"Geht nicht, gibt's nicht", lautet schon seit 89 Jahren das Motto der Arnold AG aus Friedrichsdorf. Mit dieser Einstellung hat sich der mittelständische Metallverarbeitungsspezialist nicht nur als Zulieferer für Industriebetriebe, sondern auch in der Kunstszene einen Namen gemacht. Wie Metallbauer Künstler bei der Produktion ihrer Skulpturen unterstützen.

KÖLN. Spätestens seit die Firma Edelstahlskulpturen des bekannten New Yorker Künstlers Jeff Koons gefertigt hat, hat der Familienbetrieb einen festen Platz in der Kunstszene.

Denn wer Kunst aus Stahl, Kupfer oder anderen Metallen schafft, ist oft auf die Hilfe von Metallbauern angewiesen. Künstler und Designer könnten schließlich ohne das Fachwissen und professionelle Equipment der Spezialisten viele ihrer Ideen gar nicht verwirklichen. So ist aus dem Kunstbetrieb eine eigene Nische für Metall verarbeitende Firmen entstanden. Neben Maschinenteilen und Bauelementen werden in manchem Betrieb regelmäßig Skulpturen gewalzt, gegossen, geschnitten und gestanzt. Komplexe Ansprüche an Fertigungsverfahren und Material prägen diesen Spezialmarkt. "Meist müssen wir auf uns auf spezielle Oberflächen, große Dimensionen oder winzige Details einstellen", sagt Uwe Arnold, Chef der Arnold AG. "Bei der Zusammenarbeit mit Künstlern ist das persönliche Vertrauensverhältnis besonders wichtig. Wir sind ja in gewisser Weise der Pinsel des Künstlers, unsere Werkshallen werden zu seinem Atelier."

Der New Yorker Künstler Richard Serra suchte mehr als zwei Jahre weltweit nach einem Betrieb, der seine komplizierten, begehbaren Eisenskulpturen verwirklichen kann. Mitte der 90er Jahre stieß er auf den Siegener Familienbetrieb Pickhan. Die Umformspezialisten steckten gerade in einer schlimmen Krise: Die traditionellen Absatzmärkte im Ruhrgebiet waren dramatisch eingebrochen. Die letzten finanziellen Mittel steckten in einer Spezialmaschine, mit der sie neue Kunden zu gewinnen hofften. Durch Zufall wurde Serra auf Pickhan aufmerksam.

Geschäftsführer Uwe Pickhan erinnert sich noch, wie alles begann: "An einem Freitagabend bekamen wir ein Fax aus New York mit einer handgezeichneten Skizze und der Frage: Können Sie das?"

Die Siegener konnten. Mit der Spezialmaschine ließen sie die berühmten elliptischen Formen entstehen, die Richard Serras Werk prägen. Die Pickhans setzten alles auf eine Karte. Sie rissen Wände und Decken ihrer Werkshallen ein, um Platz für die riesigen Metallbänder zu schaffen. Sie steckten ihr ganzes Können, ihre Kreativität und ihre Erfahrung in das neue Projekt. "Serra hat uns mit seinen Anforderungen an die Grenzen unserer Fähigkeiten getrieben. Wir wollten diese erste Skulptur so perfekt wie möglich machen." Serra war begeistert vom Ergebnis. Mehr als 50 Skulpturen folgten. Die Umformtechniker sind stolz, dass sogar das berühmte New Yorker Museum of Modern Art ihre Skulpturen ausstellt. Aber sie verdanken Serra mehr als das: Der technische Innovationsschub brachte neue Kunden. Heute entwickelt und plant Pickhan auch individuelle Konstruktionsteile für Ölplattformen und den Schiffsbau.

Auch Uwe Arnold ist sich sicher, dass seine Firma durch das Engagement im Kunstbereich nur gewinnen kann. "Der Dialog mit den Künstlern treibt uns zu neuen technischen Lösungen. Davon profitieren auch die pragmatischen Industriekunden." In Arnolds Werkshalle liegen daher auch oft die Bauteile für Kunstprojekte neben Geländerteilen oder Teilen für ein technisch-medizinisches Gerät.

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