Metallbranche
Länger kurz arbeiten ist oft besser als schnell zu kündigen

Die Krise hat die Metallbranche mit voller Wucht erwischt. Mit Kurzarbeit versuchen viele Betriebe, dagegen anzukämpfen. Das Konjunkturpaket II vereinfacht und beschleunigt das Antragsverfahren - in der Krise kann Kurzarbeit für viele Metallverarbeiter ein wirksamer Puffer sein.

BERLIN. Seit mehr als 40 Jahren liefert die Gronbach aus Wasserburg am Inn Metallkomponenten an Hausgerätehersteller wie AEG, Bosch-Siemens und Miele. Seit 1. März steht für die 260 Mitarbeiter des Mittelständlers Kurzarbeit an. "Das ist das erste Mal in der Firmengeschichte", sagt Geschäftsführer Wilfried Gronbach. "Aber ich habe keine andere Wahl. Wir hatten im Januar und Februar 40 Prozent und im März 25 Prozent weniger Bestellungen."

Die Krise hat die Metallbranche mit voller Wucht erwischt. Mit Kurzarbeit versuchen viele Betriebe, dagegen anzukämpfen. "Firmen wollen gerade möglichst unversehrt aus der Krise kommen", sagt Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Produktionskürzungen seien aber umstritten.

Dennoch: Sowohl für Mitarbeiter und Arbeitgeber ist Kurzarbeit immer noch besser als den Job oder Fachkräfte zu verlieren. "Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben in früheren Krisen eher Mitarbeiter entlassen. Ganz nach dem Motto: Ich schmeiße lieber Leute raus, da weiß ich, wie das geht", sagt Jörg Köther von der IG Metall in Frankfurt. Solchen Vorbehalten will das Konjunkturpaket II entgegen kommen. Es vereinfacht und beschleunigt die Beantragung von Kurzarbeit. Unternehmen können zudem 18 statt 12 Monate Unterstützung beantragen.

"Mit diesen Maßnahmen lassen sich Durststrecken deutlich länger überbrücken", sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dort müssen Betriebe die Unterstützungsgelder beantragen. Der Staat übernimmt die Hälfte der Sozialbeiträge und einen Teil des Verdienstausfalls. Die Arbeitsagentur zahlt bis zu 60 Prozent vom ausgefallenen Nettolohn. Arbeitgeber müssen aber Regeln einhalten. "Sie dürfen Kurzarbeit etwa nur anordnen, wenn dies in einem Tarifvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder in den Arbeitsverträgen festgeklopft worden ist", sagt Mirtschin. Zudem sollte der Arbeitsausfall auf eine kurze Zeit ausgelegt sein.

Auch Gronbach hält nicht viel von Kurzarbeit als Allheilmittel. "Wir bereiten uns auch auf einen Personalabbau vor", sagt er. "Denn wir können die weitere Entwicklung der Märkte nicht einschätzen." Gronbach will nicht auf volle 18 Monate Kurzarbeit zurück greifen. "Langfristige Lücken lassen sich so nicht ausgleichen."

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