Meyer
Der Konkurrenz immer eine Schiffslänge voraus

Wo andere längst die Segel streichen mussten, ist die Meyer Werft aus Papenburg immer noch erfolgreich in der Nische als Bauer von Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Aber der Kampf auf dem Weltmarkt ist hart.
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PapenburgGegen Bitterkeit hat Bernard Meyer ein wirkvolles Mittel: Ein Schuss Sahne – und der Tee schmeckt rund und samtig. Als Ostfriese ist der Eigentümer der Papenburger Meyer-Werft, dem weltweit führenden Produzenten von Kreuzfahrtschiffen, ein eingefleischter Teetrinker. Die Zubereitung des Getränks ist bei ihm eine Zeremonie, die genauen Regeln folgt. Erst kommt der Kandis in die Tasse, darauf der Tee und schließlich eben die Sahne.
Mit der Prozedur erreicht Meyer zwei Ziele. Zum einen verschafft er seinen Gästen ein behagliches Willkommen in seinen Büroräumen auf dem Werftgelände. Zum anderen gibt es ihm Gelegenheit, in die Familientradition einzutauchen. „Tee ist Teil unserer Familiengeschichte. Kaffee trinke ich nur in der Diaspora“, sagt Meyer. Seine Vorfahren mütterlicherseits waren im Teehandel tätig, seine Mutter bewies noch als Teetesterin ihr Talent.
Ihre Familie war aber, wie der väterliche Meyer-Zweig, auch im Werftengeschäft aktiv, wie so viele in dem Landstrich. Es gab wohl kaum eine Familie in der niedersächsischen Kleinstadt, die nicht irgendwie am Schiffbau hing, sagt Bernard Meyer. Bis auf Meyer aber haben die anderen Werften den Wandel der Zeit nicht überlebt.
Es grenzt an ein Wunder, dass es die Meyer Werft überhaupt noch gibt. 36 Kilometer im Binnenland gelegen und nur über die schmale Ems mit dem Meer verbunden, muss das Unternehmen enorme Standortnachteile kompensieren.
Jedes Mal wenn eines der bis zu 340 Meter großen Kreuzfahrtschiffe das Baudock verlässt, muss die Ems vor der Überführung aufgestaut werden. Das kostet Zeit und Geld, dabei sieht Meyer sein Unternehmen im Kostennachteil gegenüber der Konkurrenz aus Europa und Asien.

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