Meyer & Meyer
Der Herr der Jacken

Michael Meyer ist entwaffnend ehrlich: „Ich habe nicht studiert, dazu waren meine Schulnoten zu schlecht“, gesteht der Inhaber und Geschäftsführer des Osnabrücker Textil-Logistikers Meyer & Meyer. Karriere hat er trotzdem gemacht, denn er hat von seinen Eltern die Begeisterung für die Welt des Lagerns und Transportierens geerbt.

KÖLN. Schon als Jugendlicher verdiente er sich sein Taschengeld im Lager des Vaters und ließ sich beim Mittagessen dessen Probleme erzählen: „Ein Lkw-Motor ist kaputt, einer der tüchtigsten Fahrer hat gekündigt, doch zumindest ist der Scheck vom Kunden eingetrudelt – solche Dinge wurden bei uns zu Hause ständig besprochen“, erinnert sich Meyer. „Ich bin förmlich mitten im Unternehmen aufgewachsen.“

Heute teilt sich Meyer den Chefsessel des Familienbetriebs mit seinem Cousin Rolf Meyer. Ihr Unternehmen Meyer & Meyer gilt als Spezialist für die so genannte Fashionlogistik: 160 Mill. Kleidungsstücke transportieren die Niedersachsen jährlich durch die Weltgeschichte. „Schuhe und Accessoires gehören mittlerweile auch dazu“, sagt Michael Meyer.

Lagern und Verteilen ist aber längst nicht alles, was die 2 300 Mitarbeiter des Logistikers für die Kunden tun: Meyer & Meyer kümmert sich um alles, was zwischen der Produktion der Modeartikel und der Präsentation im Laden liegt. Der Logistiker bügelt Knitterfalten auf Blusen weg, näht lose Knöpfe an Jacketts und verpackt Hosen für den Weitertransport. „From sheep to shop“ nennt das der Chef das Konzept: „Wir haben uns tief in die Wertschöpfungskette der Kunden eingearbeitet. Von der Rohwarenbeschaffung bis zum Retourenmanagement bieten wir alles aus einer Hand.“ Gemeinsam mit Cousin Rolf verfolgt er damit ein ehrgeiziges Ziel: Das Unternehmen soll Europas erste Adresse für Logistikdienstleistungen in der Modebranche werden.

Die traute Zweisamkeit in der Führungsetage war bei Meyer & Meyer nicht immer selbstverständlich. Gegründet wurde der Familienbetrieb 1902 von Adolf Maximilian Meyer, dem Großvater der heutigen Chef-Generation. Mit dem ersten Fahrzeug, ein eisenbereiften Pferdefuhrwerk, transportierte Meyer vor allem Möbel.

Nach dem Tod des Firmengründers übernahmen die beiden Söhne Adolf und Josef den Betrieb, trennen sich aber 1953 geschäftlich voneinander. „Jeder wollte seinen eigenen Weg mit seiner eigenen Spedition gehen“, erzählt der heutige Chef Michael Meyer die Unternehmensgeschichte. „Eigentlich unterschieden sich die Firmen aber nur durch ihre Namen.“ So spezialisierten sich beide Brüder nach der Trennung auf den Transport hängender Bekleidung, waren in Osnabrück ansässig und bundesweit tätig. „Oft traf man als Konkurrent um neue Kunden aufeinander“, sagt Meyer, der nach seiner Speditionskaufmannslehre in Bremen als Disponent ins väterliche Unternehmen einstieg.

Es brauchte fast 40 Jahre und eine neue Führungsgeneration, bis aus zwei nahezu identischen Transportunternehmen wieder ein gemeinsamer Familienbetrieb wurde. Die beiden Cousins Michael und Rolf Meyer wagten 1990 die Fusion: „Die Zusammenführung war eine gute Entscheidung“, sagt Meyer. „Unser Unternehmen hat danach eine ungeheure Entwicklung erlebt.“

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