
FRANKFURT. Dem deutschen Mittelstand droht eine milliardenschwere Finanzierungslücke. Auslöser sind fällig werdende Mezzanine-Programme, mit denen die Kapitalausstattung der Unternehmen verbessert werden sollte. Wegen der Finanzkrise fehlen jetzt die Anschlussfinanzierungen bei der Finanzierungsform, die zwischen Eigen- und Fremdkapital liegt; Banken, Unternehmer und Investoren suchen fieberhaft nach Auswegen. Nach Recherchen des Handelsblatts müssen zwischen 2011 und 2014 bis zu 760 Mezzanine-Darlehen im Umfang von rund vier Mrd. Euro umgeschuldet werden.
Ein Insider sagt, das Debakel sei auch in der Politik angekommen, es fehle aber an einer koordinierenden Stelle, die etwa die staatliche KfW sein könne. Die Förderbank selbst bereitet sich offenbar schon auf ein Eingreifen vor, sollten die Maßnahmen der Geschäftsbanken nicht greifen. „Wir haben uns vorgenommen, dass wir in der zweiten Reihe bereitstehen, wenn das nicht ausreicht“, sagt KfW-Chef Ulrich Schröder. Er befürchte, dass es in den nächsten zwei Jahren zu Problemen kommt, weil viele Tranchen fällig werden. Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen hatte bereits auf die Brisanz der Kapitallücke hingewiesen, als er einen Kapitaltopf über 300 Mio. Euro für den Mittelstand vorstellte.
Mit den Mezzanine-Programmen konnten Mittelständler wirtschaftliches Eigenkapital (Nachrangkapital) direkt über den Kapitalmarkt aufnehmen. Nach einer Laufzeit von sieben Jahren ist es endfällig rückzahlbar. Das nachrangige Kapital wurde in einer Zweckgesellschaft gebündelt und mittels verschieden ausgestatteter Anleihen der Zweckgesellschaft durch die Emissionsbanken am Kapitalmarkt platziert. In der Boomphase bekamen auch schwache Firmen Kapital, die Banken befeuerten den Markt mit flankierenden Krediten, die Investoren verließen sich auf Noten der Ratingagenturen. Mit dem Niedergang des Verbriefungsmarktes wurden alle zu Verlierern. 2007 hatten Insolvenzen wie beim Stofftierhersteller Nici den Investoren in Mezzanine-Produkten Ausfälle beschert.
Viele Unternehmer stehen nun vor der Frage, wie die Anschlussfinanzierung aussehen soll, an die oftmals auch die Vergabe langfristiger Kredite gekoppelt ist. „Dieses Problem kommt auf die Betroffenen zu, und das in einer Zeit, in der die Kreditvergabe zumindest für Teile des Mittelstandes ausgetrocknet ist“, sagt Axel Schulte, Managing Director beim Restrukturierungsspezialisten Alix Partners. „Für die Top-Adressen im Mittelstand ist die Anschlussfinanzierung sicher unproblematisch. Die Mehrheit der Firmen ohne Bestnoten in den Ratings wird aber zu kämpfen haben“, erklärt Bernd Papenstein von der Beratungsgesellschaft PwC. Teilweise haben die Unternehmer den drohenden Kapitalmangel noch gar nicht auf dem Radarschirm, wobei sich Papenstein die „ganze Palette der Finanzinstrumente“ vorstellen kann – zum Beispiel auch den Einstieg neuer Anteilseigner über Private Equity. „Es darf bezweifelt werden, dass Mezzanine-Finanzierungen in der bisherigen Form, also als Verbriefung standardisierter Nachrangdarlehen, zur Verfügung stehen werden.
Stattdessen dürften die Unternehmen auf einen Refinanzierungsmix zurückgreifen“, sagt auch Michael Auracher, Leiter für strukturierte Finanzierung bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Gute Unternehmen hätten Geld zurücklegen können, die angeschlagenen würden Probleme bekommen, da die schwierige wirtschaftliche Situation in 2009 die Bilanzen schwer gezeichnet habe. Es gebe zwar seit geraumer Zeit Gespräche zwischen den Mezzanine-Anbietern, wie man das Problem lösen kann. „Solange es aber keine Investoren gibt, die prinzipiell solche Produkte kaufen würden, hilft das nicht weiter“, sagt Auracher. Jörg Blumentritt, Geschäftsführer von WGZ-Initiativkapital, meint, dass viele Anbieter diese Mittel oftmals viel zu großzügig angeboten hätten. Eine Entspannung sei nicht in Sicht. „Die Ausfallraten bei einigen Standard-Mezzanine-Programmen liegen bereits jetzt bei mehr als 20 Prozent, und 2010 wird sich die Situation dort sicherlich noch weiter verschlechtern“, sagt Blumentritt.
Oh, ich dachte, das Mezzanine-Finanzierungsprogramm war das beste seit der Erfindung von geschnittenem brot, und nun das?
Überschuldete Unternehmen und Kreditrisiken, die den gewinngierigen banken zu hoch sind und lieber die KfW tragen soll ?
Gerade Nici war doch ein Musterbeispiel für ein durch kreditfinanziertes Gigantomaniestreben ruiniertes Unternehmen - und er Liebling der bankster.
SPERRT SiE ENDLiCH EiN!
Was für Energie und Mineralöl ausgegeben wird bzw. muss fehlt logischerweise an anderer Stelle. Aber das verstehen die Poltiker nie! Die sehen nur STEUERN.....
Raus aus den Schulden- Eigenkapital aufbauen.
Warum begeben sie sich so sehr in die Abhängigkeit von banken? Wer nur noch mit Krediten überleben kann , der ist ohnehin angeschlagen. Wer so abhängig ist, wird nicht lange am Markt überleben.
betriebe brauchen wieder Eigenständigkeit.Dazu gehört ein gutes Finanzpolster, wenn sie nicht zu Schuldsklaven werden wollen.
Alles ist nur noch verschuldet, alle verlassen sich nur noch auf Kredite, alle sind mittlerweile total davon abhängig. So begeben sich alle in die Macht der banken, sind von deren Gutwill-Tour abhängig.
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