Mezzanine-Finanzierungen
Insolvenzen verunsichern Geldgeber

Eine der euphorisch gefeierten Innovationen der Banken ist ins Zwielicht geraten. Mezzanine-Kapital für mittelständische Unternehmen, das zwischen dem Eigen- und Fremdkapital steht, leidet unter der Häufung von Insolvenzen in den Bankprogrammen für dieses Mischkapital. Die Investoren am Kapitalmarkt, die die neuen Wertpapiere gezeichnet haben, werden unruhig.

FRANKFURT. Seit dem vergangenen Sommer haben sich die Forderungsausfälle drastisch erhöht. Insolvenzen und Schieflagen wie beim Stofftierhersteller Nici, dem Modeunternehmen Hucke, dem Automobilzulieferer ISE und zuletzt der Möbelgruppe Schieder sowie dem Schuhhersteller Rohde treffen das Produkt Mezzanine empfindlich.

Nach Handelsblatt-Recherchen addieren sich die von Insolvenzen betroffenen Mezzanine-Finanzierungen mittlerweile auf rund 150 Mill. Euro; viel größer dürfte aber der Imageschaden ausfallen. Denn fast alle namhaften Bankadressen – besonders aktiv waren die Hypo-Vereinsbank, HSBC, Commerzbank, Deutsche Bank und IKB – haben die „Alternativfinanzierung“ zum Kredit mit hohem Werbeaufwand in den Markt gedrückt und ein Programm nach dem anderen aufgelegt. Seit dem Start 2004 flossen rund fünf Mrd. Euro als Mischkapital an mittelständische Unternehmen, das größtenteils in verbriefter Form am Kapitalmarkt bei institutionellen Anlegern weiterplatziert wurde.

Jetzt sprechen einige Anbieter hinter vorgehaltener Hand davon, dass auch sie in der Euphorie des sich neu entwickelnden Marktes den Unternehmen vielleicht nicht immer so stark auf den Zahn gefühlt hätten, wie es nötig gewesen wäre. Denn im Fall einer Insolvenz ist Mezzanine-Kapital nachrangig, und die Geldgeber stehen ganz hinten in der Schlange der Gläubiger. „Eine Mezzanine-Finanzierung muss meiner Ansicht nach genauso geprüft werden wie eine Eigenkapitalfinanzierung“, sagt deshalb der Ko-Geschäftsführer von DZ Equity Partner, Olivier Weddrien.

Hinzu kam allerdings auch Pech: Mehrere Bilanzbetrugsfälle unter den Insolvenzen hätten wohl auch intensivere Prüfungen nicht verhindern können. Ein weiteres Problem sei gewesen, dass einige Ausfälle früh nach dem Programmstart – und zwar in mehreren Progammen gleichzeitig – aufgetreten seien, was Investoren verunsichert habe, sagt Mezzanine-Experte Dieter Glüder von der KfW Bankengruppe. Außerdem haben sich einige Unternehmer gleich in mehreren Mezzanine-Programmen - etwa bei „Preps“ von der HVB oder „CBMezzCap“ der Commerzbank - bedient, was die Banken durch einen stärkeren Informationsaustausch jetzt unterbinden wollen.

Weddrien erwartet, dass sich die Investoren zunächst stärker zurückhalten werden. Langfristig aber werde der Mezzanine-Markt wachsen und fünf bis zehn Prozent der Bilanzsumme eines Mittelständlers ausmachen.

Allerdings ist die Zeit reif, Lehren aus den Ausfällen zu ziehen. Michael Altenburg, Managing Director bei der CEG Capital Efficiency Group warnt, wenn einzelne Unternehmen den Markt in Verruf brächten, dann werde das gesamte Marktsegment ruiniert – und damit diese Refinanzierungsmöglichkeit für die Unternehmen.

Um das Segment zu stärken, wird auch über eine Konsolidierung auf der Anbieterseite nachgedacht. „Die Banken müssten sich jetzt überlegen, wie sie gemeinsam größere Einheiten organisieren“, meint Glüder von der KfW. Viele Programme hätten jüngst mit nur 30 bis 35 Unternehmen und einem Gesamtvolumen von knapp 300 Mill. Euro keine große Diversifizierung bieten können. Fällt ein Unternehmen aus, fällt dies in einem kleinen Programm sofort ins Gewicht. „Hilfreich in Bezug auf die Kapitalmarktfähigkeit wären sicher eine weitergehende Standardisierung und größere, also robustere Poolvolumina“, ergänzt Altenburg.

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