Mezzanine-Kapital
Wie sich die Fehler der Banken nun rächen

Das über den Kapitalmarkt verbriefte Mezzanine-Kapital galt einst als gute Wahl für Mittelständler. Jetzt, nachdem die Verbriefungen in der Finanzmarktkrise einen schweren Vertrauensschaden erlitten haben, raubt es vielen von ihnen den Schlaf. Erste Insolvenzen wurden bereits vermeldet.
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BERLIN. In den Bilanzen zahlreicher Mittelständler tickt eine Zeitbombe. Schätzungsweise 700 Unternehmen haben in den Jahren 2004 bis 2007 auf preiswerte Mezzanine-Finanzierungen zurückgegriffen, die ab 2011 abgelöst werden müssen. Die Refinanzierung dieser 4,7 Mrd. Euro schweren Programme wird viele mittelständische Unternehmen vor große Probleme stellen. Erste Insolvenzen wurden bereits vermeldet.

Wirtschaftsministerium hat das Problem auf dem Radar

In einer Umfrage stellte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) jüngst fest, dass sich die Situation bei Mezzanine-Kapital insgesamt verschlechtert habe. „Da viele Finanzierungsprogramme in diesem Segment ab nächstem Jahr auslaufen, steht hier die Nagelprobe noch aus“, so der DIHK. Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Problem auf dem Radar.

Mezzanine-Kapital ist eine Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Daher auch der Name – das italienische Mezzanino bezeichnet ein Zwischengeschoss. Aus regulatorischer Sicht wird dieses Kapital als Eigenkapital gewertet.

Vor der Finanzmarktkrise, als Risikokapital noch preiswert war, haben viele Banken eigene Mezzanine-Programme initiiert. In der Regel wurde Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt. Die Genussrechte wurden verbrieft und am Kapitalmarkt platziert. Den Anfang machte die Hypovereinsbank mit dem Programm „Preps“, das bis 2007 laufend aufgestockt wurde. Im Markt aktiv waren auch die Deutsche Bank zusammen mit der IKB (Equinotes), BayernLB und WestLB (S-Mezzanine), HSBC (Heat) sowie die Landesbank Baden-Württemberg, HSH Nordbank und die Hamburger Sparkasse (Prime).

Für Unternehmen war das Angebot verführerisch. Schließlich wurde das zur Verfügung gestellte Kapital lediglich mit sechs bis acht Prozent verzinst. „Viele Unternehmen haben vergessen, dass die Standard-Mezzanine-Programme befristetes Eigenkapital sind und damit eine verzinsliche Verbindlichkeit darstellen, die auch zurückgezahlt werden muss“, bemerkt Oliver Weddrien, Geschäftsführer von DZ Equity Partner, der Beteiligungsgesellschaft der genossenschaftlichen DZ Bank. Diese Mezzanine-Programme hatten den Fehler, dass sie als Kapitalmarktinstrument verbrieft wurden und damit feste Laufzeiten hatten, also nicht dem jeweiligen Bedarf des Unternehmen individuell angepasst waren.

Die Krux dabei: Mittlerweile hat sich das gesamte Finanzierungsumfeld dramatisch gewandelt. Verbriefungen haben in der Finanzmarktkrise einen schweren Vertrauensschaden erlitten, Refinanzierungen über den Kapitalmarkt scheinen daher ausgeschlossen. Als Reaktion auf die Finanzmarktkrise haben sich die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen an die Banken substanziell erhöht. Die Refinanzierung über Banken wird daher nur bonitätsstarken Unternehmen gelingen – und das zu schlechteren Bedingungen. „Es ist klar, dass eine Anschlussfinanzierung nur zu deutlich höheren Konditionen zu haben sein wird“, sagt Weddrien.

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  • Sicherlich haben die banken in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht, doch sie damit unter den "automatischen Generalverdacht der alleinigen Schuldigkeit" zu stellen ist aus meiner Sicht nicht fair.

    Ähnlich wie bei Strukturierungen von nachhaltig erfolgreichen Geldanlagen wird es auch für die Unternehmen immer schwieriger eine passende Finanzierungsstruktur zu entwickeln.
    Häufig wird die Wichtigkeit dieser Aufgabe unterschätzt und eine gute Finanzierung wird nur daran festgemacht, dass sie entweder günstig oder leicht zu erhalten ist. Doch das reicht heute oftmals nicht mehr aus.

    Übrigens sollte jedem Unternehmen bewusst sein, dass sich Rahmenbedingungen immer wieder verändern. Und auch das ein Kredit nun einmal zu tilgen ist oder rechtzeitig prolongiert werden muss.
    Wer einmal in der Krise erlebt hat wie schnell die banken Kreditlinien kürzen oder ganz streichen, der hat leidvoll erfahren wie wichtig eine risikominimierende Finanzierungsstruktur, eine unabhängigkeitssichernd hohe Eigenkapitalquote (auch wenn der Steuerberater etwas anderes empfiehlt)sowie eine angemessene Planung der Liquidität ist.

    Allen betroffenen Unternehmen wünsche ich viel Erfolg beim Finden einer attraktiven Anschlussfinanzierung, denn die Refinanzierungszinsen der banken sind günstig wie seit Jahren nicht mehr.

  • @Kommentator
    Sicherlich leuchtet auch ihnen ein, dass eine verschlechterte Eigenkapitalquote einen höheren Kreditzins nach sich zieht. Durch die Hyrbidform des Mezzanine-Kapitals haben viele Mittelständler vergessen, dass dieses Kapital sich irgendwann wieder in Fremdkapital wandelt und somit die bilanz-Situation verschlechtert. Eine rechtzeitige Refinanzierung wäre also sinnvoll gewesen. Der bank jetzt die Schuld in die Schuhe zu schieben, von einem "riskanteren" Schuldner mehr Zins zu verlangen ist einfach unfair.

  • "Es ist klar, dass eine Anschlussfinanzierung nur zu deutlich höheren Konditionen zu haben sein wird“

    Nee, sorry, mir ist das nicht klar! M.W. war das Zinsniveau 2004-2007 deutlich höher als heute. Die Aussage heißt doch nur - die banken wollen wieder mehr Kohle abziehen.

    Ehrlich, diese branche kotzt mich an!

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