Mittelstand
Mezzanine-Modelle stärken die Kapitaldecke

Genussscheine, stille Beteiligungen und Nachrangdarlehen können fast eigenkapitalähnliche Qualität erhalten. Der Vorteil: Steuerlich können die Mittel als Fremd-, wirtschaftlich als Eigenkapital gelten.

HB DÜSSELDORF. Die vom Mittelstand zu bewältigenden Aufgaben sind vielschichtig. Zwangsläufig werden sich Geschäftsführer und Eigentümer künftig mit zentralen Aufgaben wie Unternehmensnachfolge, Basel II und Globalisierung beschäftigen müssen. Vor allem Basel II stellt zunächst die Banken vor Herausforderungen. Für Unternehmen kann dies auch Einfluss auf das eigene Rating und somit auf die Kreditvergabe beziehungsweise die Kreditkonditionen haben. Die fortschreitende Globalisierung - nicht zuletzt die Öffnung Osteuropas - erhöht weiter den Wettbewerbsdruck auf die heimischen Unternehmen. Die Notwendigkeit, sich diesen geänderten Bedingungen anzupassen nimmt auch für mittelständische Unternehmen stetig zu.

Im Zuge der Bewältigung der vorgenannten Herausforderungen müssen sich mittelständische Unternehmen und Unternehmer üblicherweise mit dem Thema Finanzierung auseinander setzen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Eigenkapitalausstattung im deutschen Mittelstand - die durchschnittliche Eigenkapitalquote kleiner und mittlerer Unternehmen liegt gerade einmal bei rund acht Prozent - stoßen viele Unternehmen hierbei an ihre Grenzen. Die Aufnahme zusätzlichen Fremdkapitals ist daher nur sehr begrenzt möglich. Beispielsweise können Expansionsstrategien nicht oder nicht rechtzeitig umgesetzt werden. Der Bedarf an Eigenkapital oder an eigenkapitalähnlichen Lösungen ist somit groß. Eine Möglichkeit kann die Aufnahme einer Mezzanine-Finanzierung über einen externen Partner sein.

Mezzanine-Kapital kann je nach Ausgestaltung eine eigenkapitalähnliche Qualität erhalten. Gleichwohl erhält der Mezzanine-Kapitalgeber keine Stimmrechte am kapitalnehmenden Unternehmen. Zu Mezzanine-Kapital zählt unter anderem der Genussschein, die Stille Beteiligung und das Nachrangdarlehen. Es lässt sich individuell an die Bedürfnisse der Unternehmen anpassen und zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität hinsichtlich Laufzeit, Vergütung und Rückzahlung sowie Einsatzmöglichkeit aus.

Mezzanine erlaubt bei seiner Strukturierung die Kombination der Vorteile von Fremd- und Eigenkapital. Steuerrechtlich lässt sich Mezzanine als Fremdkapital strukturieren, wodurch die hierauf entfallenden Zinsen als Betriebsaufwand vom Unternehmensergebnis abgezogen werden können. Durch eine Nachrangigkeitskomponente wird der Kapitalgeber im Falle einer Insolvenz des Unternehmens erst nach den sonstigen Gläubigern bedient. Daher stufen die Hausbanken eines Unternehmens Mezzanine-Kapital in der Regel als wirtschaftliches Eigenkapital ein.

Trotz der Eigenkapitalnähe mezzaniner Finanzierungsformen bleibt der Einfluss des Kapitalgebers auf das Unternehmen eingeschränkt. Zwar regelt ein Mezzanine-Vertrag üblicherweise neben der zu zahlenden Verzinsung und unter Umständen einer Beteiligung des Kapitalgebers an der Unternehmenswertentwicklung auch Investorenrechte beziehungsweise Berichtspflichten des Unternehmens. Jedoch erinnern die Investorenrechte im Normalfall mehr an eine Kreditdokumentation als an eine Unternehmensbeteiligung. Dem Autonomiebedürfnis gerade familiengeführter Unternehmen, die einen Großteil der mittelständischen Unternehmen in Deutschland repräsentieren, kann hierdurch in besonderem Maße Rechnung getragen werden.

Fritz Koop ist Executive Director bei der WestLB, GB Corporate Finance.

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